In Europa sind die Deutschen Retouren-Meister. Aber es gibt gute Gründe, passend zu bestellen und nicht so viel zurück zu schicken.

Es ist so bequem: von der Couch aus eine neue Hose oder ein paar Sneaker online bestellen. Vorsichtshalber mal in zwei verschiedenen Größen. Und was nicht passt, wird ohne weitere Kosten wieder zurückgeschickt. Viele Online-Händler bieten kostenlose Retouren an.

Laut dem Handelsforschungsinstitut EHI liegt die deutsche Rücksendequote bei bis zu 75 Prozent. Vor allem bei Mode geht mehr als die Hälfte aller Online-Betsellungen wieder zurück. 2020 waren deshalb 315 Millionen Pakete auf den Straßen in Deutschland unterwegs, allein um unsere online bestellte Ware wieder zurückzuschicken.

Björn Asdecker ist Leiter der Forschungsgruppe Retouren-Management an der Uni Bamberg. In dem Projekt befragen er und seine Kolleg*innen regelmäßig den Online-Handel. Asdecker kennt natürlich auch die Werbung von Online-Händlern, die genau damit werben, dass Kund*innen alles Zuhause anprobieren und dann wieder zurückschicken können. "Die befeuern dieses ungünstige Verhalten ja in ihrem Sinne. Wir werden ja dazu genötigt möglichst schnell und viel zu bestellen. Und das führt am Ende dann zu vielen Rücksendungen", sagt er.

"Da wird ein Verhalten etabliert, was insgesamt nicht wünschenswert ist."
Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retouren-Management an der Uni Bamberg

Asdecker erklärt die negativen Folgen der Retouren: "Wir denken immer, die Sache ist damit erledigt, dass wir das Paket abgeben. Aber das ist eben nicht so. Wir haben einerseits die Umweltkomponente. Diese Rücksendungen werden eben viele Tausende Kilometer nach Osteuropa gekarrt. Wir haben eine Verantwortung mit Blick auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen. Wir haben die Komponente des Wegwerfens." Viele der großen Händler haben ihre Retouren-Abwicklung nach Osteuropa verlagert – weil die Arbeitskräfte dort günstiger sind.

Kleinere Online-Shops und Geschäfte in der Stadt können das nicht machen – und verlieren immer mehr den Anschluss, wenn sie eine Gebühr für Retouren erheben.

Retouren sind nicht gut fürs Klima

Dem Klima schadet der Retouren-Wahnsinn auch: Allein 2018 – also noch vor dem großen Corona-Bestell-Boom – wurden durch Rücksendungen in Deutschland fast 240.000 Tonnen CO2 ausgestoßen.

Björn Asdecker findet, dass nicht allein die Händler*innen dafür verantwortlich gemacht werden können. "Wir Konsumenten sind letzten Endes die, die die Entscheidung treffen und deswegen müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen", sagt er. Er glaubt, dass durch mehr Transparenz und Aufklärung die Masse an Retouren bereits verringert werden könnte

"Man kann den Kunden nur einen Vorwurf machen: Dass er sich eben nicht ausreichend informiert hat, was für ein riesen Rattenschwanz hinten dranhängt."
Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retouren-Management an der Uni Bamberg

Auch sei es hilfreich angebotene Tools zu verwenden, um gleich die richtige Größe zu bestellen. Bei vielen der großen Online-Händlern gibt es das schon: Alter, Größe und Gewicht eingeben, vielleicht noch eine Referenz zu einer Marke, die gut passt – und schon spuckt ein Algorithmus aus, welche Größe der Jeans voraussichtlich passt.

Das Problem ist: Das gängigste Tool dieser Art von der Firma Fit Analytics wird nur von knapp einem Viertel der Käufer*innen genutzt, so der Chef der Firma, Sebastian Schulze bei Spiegel TV: "Es gibt immer Menschen, die wissen schon die passende Größe. Und dann gibt es auch welche, die wollen das nicht durchführen und wissen, man kann auch kostenlos retournieren."

Es ist ein kleiner zusätzlicher Aufwand beim Bestellen. Fünf Minuten opfern für die richtige Passgröße – oder einfach bestellen und notfalls kostenlos zurückschicken? Viele entscheiden sich aus Bequemlichkeit für Letzteres.

Rücksende-Gebühr als Game-Changer

Björn Asdecker von der Uni Bamberg kennt Studien, die besagen, dass eine gesetzliche Mindest-Rücksendegebühr zwischen einem und drei Euro ein Game-Changer wäre. "Weil man dann ja am eigenen Geldbeutel spüren würde, ob die Bestellentscheidung gewissenhaft durchgeführt wurde", sagt er.

Marktführer im Onlinehandel haben hingegen gerade noch darauf verwiesen, dass sie an ihren Rücksende-Optionen so schnell nichts ändern werden.