Deutschland hat im letzten Jahr wieder einen Rekord im Verpackungsmüll aufgestellt: 18,7 Millionen Tonnen. Schuld daran ist auch der Onlinehandel. Immer mehr Start-Ups beschäftigen sich deshalb mit innovativen und umweltfreundlicheren Verpackungen für die Online-Shopping-Welt.

Der Verpackungsmarkt wandelt sich: Klebeband gibt es inzwischen schon als Papier, Pack- und Füllmaterial wird aus Pflanzen oder Pflanzenfasern hergestellt. Immer mehr Unternehmen machen sich Gedanken, wie unsere Pack- und Füllmaterialien umweltfreundlich werden können.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Magdalena Bienert hat sich einige Start-Ups angeschaut und ist dabei auch auf smarte High-Tech-Versandboxen gestoßen. Bei diesen sollte man jedoch aufpassen, dass vor lauter Innovationen das eigentliche Ziel der Ressourcenschonung nicht auf der Strecke bleibt.

Stroh als Alternative zu Styropor

Styropor ist robust und preiswert, entsteht aber auf der Basis von Erdöl und ist somit nicht ökologisch abbaubar. Das bayerische Start-Up "Landpack" stellt deshalb als Ersatz zu Styropor eine passgenaue Schutzverpackung aus Stroh her, indem es individuell um die genaue Form der Ware gepresst wird.

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Die angepasste Hülle kann laut Hersteller auch wie eine Art Kühlbox funktionieren. Sie ist außerdem teilweise kompostier- oder zumindest wiederverwendbar.

Stylische Mehrwegverpackungen

Die Firma RePack aus Finnland bietet beispielsweise fast schon stylische Mehrweg-Versandtaschen für den Online Handel an. Der Mehrweg funktioniert nach einer Art Pfandsystem: Die Tasche faltet man nach dem Erhalt zusammen, klebt ein Rücksendeetikett drauf und schmeißt es in den Briefkasten. Dafür bekommt man einen Gutschein für den nächsten Re-Pack Versand.

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In Deutschland bietet DPD bereits seit längerem Mehrweg-Boxen an, die sind bisher jedoch nur für Unternehmen gedacht, erklärt Magdalena Bienert. Deshalb hat sich das deutsche Start-Up "Living Packets" mit einer Mehrweg-Box für den privaten Online-Handel beschäftigt. Sie versucht eine ganze Reihe von Innovationen zu vereinen.

Smarte Versandboxen

Die wiederverwendbaren Versandboxen von "Living Packets" bestehen aus dem Stoff EPP, der Styropor zwar ähnelt, aber nur aus Luft und Wasser hergestellt wird. Laut Gründer Alexander Cotte seien die Boxen leichter und robuster als Styropor und zu 100 Prozent recyclebar. Durch ein Netz werden die Waren im Innern gehalten und anstatt von Klebeband wird die Box durch einen Klappverschluss geschlossen. Auch den Rücksendeauffkleber gibt es nicht mehr, der ist durch einen Display ersetzt, der automatisch die Adresse anzeigt.

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Zusätzlich möchte die High-Tech-Box mit viel smarter Technik aufwarten: Schock-, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensoren und sogar eine Kamera sollen checken, unter welchen Bedingungen die Ware beim Kunden ankommt. Ist beispielsweise ein Paket mit einem Dekoartikel heruntergefallen, kann die Kamera zeigen, wo es passiert ist. Diese Infos landen dann auf einer App, für die sich der Kunde registrieren kann.

Bisher wurde die High-Tech-Box nur als Beta-Version in Frankreich getestet. Diese Jahr soll auch eine Version in Deutschland getestet werden, 2021 soll sie auf den Markt kommen.

Ressourceneinsparung vs. Innovationen

Ziel des Unternehmens ist es, verschiedene Abläufe im Online-Handel durch High-Tech-Innovationen zu optimieren. Durch die Mehrwegboxen sollen laut Alexander Cotte auch 100 Milliarden Pappkartons im Jahr überflüssig werden. Die Soziologin Elisabeth Süßbauer von der TU Berlin leitet eine sozial-ökonomische Forschungsgruppe zum Thema Verpackungen und findet, dass Mehrweglösungen grundsätzlich ein guter Weg sind, um Verpackungen zu vermeiden. Doch sie betont, technische Innovationen allein seien kein Weg zur Ressourcenschonung.

"Nur durch technische Innovation werden wir nicht zu der Ressourcenschonung kommen, wie wir uns das denken. Da machen wir uns was vor."
Elisabeth Süßbauer, Soziologin an der TU Berlin

Bei "Living Packets" sehe sie genau dieses Problem: Viele Ressourcen gingen in die ausgeklügelte Technik wie Sensoren, Kamera oder Display. Der Gesamtressourcenprozess würde dadurch nur steigen.

Die Konsumenten sind genauso verantwortlich

Wenn wir Online-Shopping also wirklich ökonomischer gestalten wollen, müssen wir uns an die eigene Nase fassen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Magdalena Bienert. Für Elisabeth Süßbauer mache Online-Handel nur auf dem Land wirklich Sinn.

"Versandhandel macht dann Sinn, wenn es die Autofahrt ersetzt, aber im städtischen Bereich könnte man sich schon die Frage stellen, müssen Verbraucherinnen so viel bestellen?"
Elisabeth Süßbauer, Soziologin an der TU Berlin

Und wer auch in der Stadt seinen Lieblingsartikel nicht findet, könne laut Elisabeth Süßbauer immer noch auf Sammelbestellungen zurückgreifen oder zumindest darauf achten, nicht alles einzeln zu bestellen.