Pilates, Spinning-Kurse und Funktional Fitness: Trainerinnen und Trainer können unsere Bewegungen per Videokonferenz nicht ganz so gut überwachen wie in einem konventionellen Kurs. Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse gibt Tipps, wie wir Verletzungen am besten vorbeugen können.

Den meisten von uns, die vor Beginn der Pandemie regelmäßig an Präsenzkursen für Fitness teilgenommen, Mannschaftssportarten betrieben oder Pilateskurse besucht haben, fehlt die sportliche Auslastung zurzeit wahrscheinlich sehr. Vieles, was in einem Kursraum oder im Outdoor-Kurs auf der Wiese stattgefunden hat, wurde jetzt ins Netz verlagert. Von Aerobic Workouts bis Zumba – das Angebot an Onlinekursen ist vielfältig.

"Für alle, die Amateure sind in diesem Bereich, ist es ohne Kontrolle vor Ort kaum möglich, es gut zu realisieren."
Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln

Aber die Zoom-Meetings bei denen ein Trainer oder Trainerin uns zu den verschiedensten Bewegungen animiert und dabei anleitet, sind vor allem für Anfänger nicht ganz ungefährlich, sagt der Sportwissenschaftler Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Gar keinen Sport zu machen, empfiehlt der Professor für Bewegungsorientierte Präventions- und Rehabilitationswissenschaften allerdings auch, weil das auch nicht gesund ist.

"Durch das Nichtstun machen ich mir natürlich auch viel kaputt. Wenn wir davon ausgehen, dass durch die zweite Coronaphase bei den meisten 3,5 Kilo zusätzlich auf der Hüfte lasten, dann wissen wir, dass daraus auch Konsequenzen resultieren."
Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln

Die Probleme, die durch sportliche Belastung entstehen, werden vor allem im Gewebe deutlich, sagt der Sportwissenschaftler. Sie zeigen sich durch:

  • Reizungen an Muskel- und Sehnenansätzen
  • Die Bänder können überfordert und überreizt werden
  • Die Gelenke können punktuell zu stark beansprucht werden, wenn wir Übungen zu dynamisch machen und falsch ausführen

Insbesondere das Bindegewebe könne in Mitleidenschaft gezogen werden: dazu gehören Knochen- und Knorpelstrukturen, Sehnen, Bänder und Muskeln.

Zweidimensionale Kameraansicht kann Präsenzkurse nicht ersetzen

Der Blick in einen Raum hinein sei etwas anderes als ein Kamerabild mit einer fixen Position, sagt Ingo Froböse, um den Unterschied zwischen Präsenzunterricht und Online-Kursen deutlich zu machen. Für zu Hause empfiehlt der Sportwissenschaftler eher Sportarten, die den Schwerpunkt auf die Herz-Kreislauf-Funktion legten.

Sportarten, deren Fokus auf Cardiotraining liegt

Dynamisch gestaltete Tanz- und Aerobic-Kurse oder auch Boxercize-Einheiten (Boxing + Exercise) würden sich eher für eine Zoomsession eignen, weil sie den Fokus auf Cardiotraining legen. Nicht ganz so geeignet für Videokonferenzen findet der Sportwissenschaftler Sportarten, bei denen es darauf ankommt, eine Bewegung wirklich exakt auszuführen. Denn das zweidimensionale Bild biete dem Trainer oder der Trainerin die geeignete Ansicht, um Fehlhaltung zu erkennen und zu korrigieren.

"Die Kameras sind ja nicht dreidimensional und wir haben immer nur eine frontale Aufnahme und die ist sowieso auch nicht von höchster Qualität, je nachdem wie sie eingestellt ist."
Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln