Ist die AfD auf Twitter aktiver als die anderen Parteien? Ja, bestimmt, sagt der Analyst Luca Hammer, allerdings auch mit Fakeaccounts.

Auf Twitter nutzt die AfD sogenannte Sockenpuppen-Accounts, also Twitterkonten, hinter denen keine realen Personen stehen. Das hat Luca Hammer herausgefunden. Er ist Social Media Analyst und seine Analyse lieferte eine Ergänzung für den Artikel zu den AfD-Twitter-Tricks bei netzpolitik.org.

Diese Accounts verbreiten AfD-Content in größerer Menge und in höherer Frequenz bei Twitter– vor allem per Re-Tweet. Über Likes und Replys verstärken sie die Sichtbarkeit von AfD-Content. Das geschehe nicht automatisch, sondern sei Handarbeit. Deswegen tue Twitter sich schwer, diese Praxis zu unterbinden. So werde die Statistik der Plattform manipuliert, AfD-Content bekomme dort ein größeres Gewicht.

"Dadurch entsteht der Eindruck, als wäre dort sehr viel Interaktion, als wäre dieser Politiker sehr beliebt, sehr gefragt, was in Wirklichkeit nicht der Fall ist."
Luca Hammer, Social-Media-Analyst

Der Social-Media-Analyst findet das Verhalten der Partei sei, umgangssprachlich gesprochen, eine Täuschung. Eine juristische Einschätzung des Rechercheergebnisses möchte Luca Hammer nicht vornehmen. Nutzerinnen und Nutzern empfiehlt er, den Interaktionszahlen bei Twitter nicht zu großen Wert beizumessen. Er erinnert daran, dass Twitter ohnehin eher eine Nischenplattform ist. Politikerinnen, Politiker, Journalistinnen und Journalisten seien dort übermäßig repräsentiert.

Dienstleister im Auftrag der AfD

Die AfD verstehe sich als Social-Media-Partei und ermuntere ihre Kandidaten dazu, in Online-Medien aktiv zu werden, meint Luca Hammer. Manche Kandidaten beauftragen Dienstleister, um diese Aufgabe zu erledigen, sagt der Social-Media-Analyst.

Die AfD sei bei Twitter aktiver als andere Parteien und habe eine größere Zahl an Kernfollowern. Diese gehören zu den 136.000 Followern, die der Twitteraccount der AfD offiziell ausweist (Stand 23.05.2019).

Die Kernfollower der AfD

Diese Kernfollower sind Accounts, die sich intensiv mit der AfD beschäftigen und Inhalte der Partei teilen. Bei den meisten anderen Parteien ist die Gruppe von Kernfollowern kleiner, sagt Luca Hammer. Die Kernfollower anderer Parteien wären inhaltlich differenzierter aufgestellt und konzentrierten sich nicht so stark auf politische Inhalte, wie die Kernfolloweraccounts der AfD.

"Die AfD hält ihre Kandidaten an, dass sie sich Social-Media-Accounts anlegen. Wie wir herausgefunden haben, machen sie das nicht immer selbst."
Luca Hammer, Social-Media-Analyst

Bei der Recherche kam unter anderem heraus: Ein Social-Media-Berater, der inzwischen nicht mehr für die Partei arbeitet, hat Accounts für Kandidaten der Partei angelegt, die Accounts immer wieder neu zugeschnitten und umbenannt, so wie es gerade passend erscheint. Neben Luca Hammer waren im Wesentlichen Markus Reuter von netpolitik.org und Lars Wienand von t-online.de an der Recherche und der Auswertung beteiligt.