In Leiden, Niederlanden, hat die Stiftung Eurotransplant ihre Zentrale. Darin gibt es einen Raum, in dem eine besondere Liste verwaltet wird. Sie entscheidet darüber, wer als nächstes ein Spenderorgan bekommt.

Die Liste in diesem nüchternen Büro-Raum in Leiden, nähe Amsterdam, entscheidet über Leben und Tod. Sie listet Menschen auf, und wer Teil von ihr ist, ist sterbenskrank. Als gesunder Mensch kann man nur hoffen, nie auf diese Liste zu kommen. Als jemand, dessen Niere nicht mehr richtig arbeitet, bietet sie dagegen eine gewisse Hoffnung, wieder gesund zu werden.

Die Stiftung Eurotransplant organisiert für die Benelux-Länder, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn die Vermittlung von Organen. Herzstück von Eurotransplant, wenn man so will, ist das sogenannte Allocation Centre, der nüchterne Büro-Raum.

Die Mitarbeiter hier entscheiden nicht, wer welches verfügbare Organ bekommt, das gibt die Liste vor. Sie organisieren aber die Transplantation, telefonieren, planen Abläufe und Zeiten. In der Regel muss es schnell gehen: Herz und Lunge beispielsweise müssen innerhalb von vier Stunden transplantiert werden - auch, wenn das Organ erst von Südkroatien nach Nord-Holland transportiert werden muss.

"Soll ich jetzt hoffen, dass jemand stirbt? Ich habe ein eigenartiges Gefühl. Für mich als Reporter wäre es natürlich spannend zu sehen, wie sich die Liste verändert. Aber gleichzeitig bedeutet das, dass irgendwo ein Mensch gestorben ist. Vielleicht ein junger Mensch, der das ganze Leben noch vor sich hatte."
DRadio-Wissen-Reporter Christian Rex

Die Liste wird von den Transplantationszentren selbst aktualisiert. Stirbt ein Mensch etwa an einem Hirntod, seine Organe sind gesund und er hat einer Spende zugestimmt, dann geben die behandelnden Mediziner die Informationen über den Spender und seine Organe in ein Computersystem ein. Diese Daten landen in der Datenbank von Eurotransplant, und der Computer analysiert automatisch, für welche der rund 15.000 Suchenden das Organ am besten passt. Die so genannte Match-List, die er ausspuckt, erscheint auf den Computerbildschirmen im Allocation Office. Dann beginnt die Arbeit des Eurotransplant-Teams. Was sie niemals machen: Mit den Patienten sprechen. Sie sollen maximal neutral bleiben.