Sexueller Missbrauch, Diskriminierung, #Oscarssowhite: Die diesjährige Oscar-Verleihung war ziemlich politisch. Klar: Leonardo DiCaprio hat endlich seinen Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen, das war wichtig und gut. Aber das persönliche Oscar-Highlight 2016 von unserem Korrespondent Wolfgang Stuflesser war jemand anderes.

Lady Gaga ist für Wolfgang Stuflesser die eigentliche Gewinnerin der Oscars 2016: "Die Sängerin bekam zwar keinen Oscar für ihren Song 'Til It Happens To You', aber ihre Performance war sehr beeindruckend." Denn Lady Gaga war auf der Bühne umringt von Opfern sexueller Gewalt - also den Menschen, um die es in ihrem Song "Til It Happens To You" geht. Am Ende hörte Lady Gaga auf zu singen und reihte sich selbst ein - da auch sie früher Opfer sexueller Gewalt wurde. "Das war wirklich ein sehr bewegender Moment", sagt Wolfgang Stuflesser.

Chris Rock thematisierte Rassismus-Debatte

Aber nicht nur sexueller Missbrauch wurde bei den diesjährigen Oscars thematisiert, die Show war auch sonst sehr politisch. Vor allem Moderator Chris Rock hat die #OscarsSoWhite-Debatte um die Benachteiligung und Diskriminierung schwarzer Schauspieler in Hollywood den ganzen Abend über immer wieder aufgegriffen - mal zugespitzt und scharf, mal eher auf Kalauer-Ebene. So hat er das Publikum nach Werbepausen etwa mit "Welcome black" begrüßt.

"Ich hatte fast den Eindruck: Mehr hätte nicht sein dürfen."
Korrespondent Wolfgang Stuflesser über eine politische Oscar-Verleihung 2016

Chris Rock habe die #OscarsSoWhite-Debatte aber auch ein Stück weit zurecht gerückt und eingeordnet, berichtet Wolfgang Stuflesser. In die Richtung: Ja, die Benachteiligung schwarzer Schauspieler ist ein wichtiges Thema - es geht aber nicht um Leben und Tod. Auch Alejandro González Iñárritu, der für "The Revenant" den Oscar für die beste Regie bekam, äußerte sich in seiner Dankesrede zu Rassismus und Diskriminierung, indem er sagte: "Es wäre endlich mal an der Zeit, dass unsere Hautfarbe so relevant wird wie die Länge unserer Haare."

Viele Statements und viel Politik für eine Unterhaltungsshow - mehr hätte es fast nicht sein dürfen für den Geschmack von Wolfgang Stuflesser. Die Verantwortlichen hätten es dabei allerdings geschafft, dass die Verleihung immer unterhaltsam und spannend blieb.