Keiner der 20 Schauspieler, die dieses Jahr für den Oscar nominiert sind, ist schwarz, hispanic oder kommt aus Asien. Mangelnde Diversität in der Filmbranche gibt es aber nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland.

Der einzige Schwarze, der dieses Jahr für einen Oscar nominiert ist, ist der Musiker Abel Makkonen Tesfaye von The Weeknd für den Fifty-Shades-Of-Grey-Filmsong "Earned it". Verantwortlich dafür ist auch die Academy, die die Oscars vergibt: Sie besteht hauptsächlich aus älteren, weißen Männern. Die neue Präsidentin der Academy, Cheryl Boone Isaacs, ist zwar selbst schwarz. Und sie möchte die ethnische Vielfalt in der Academy gerne steigern. Dafür braucht sie allerdings Geduld bei den 6000 Academy-Mitgliedern.

L.A.-Korrespondent Wolfgang Stufflesser über die Academy, die die Oscars vergibt
"Die Academy, die die Oscars vergibt, ist ein Branchenverband der Filmschaffenden - so eine Art Handelskammer für Hollywood. Das Durchschnittsalter liegt bei 62 Jahren, 70 Prozent sind Männer, 90 Prozent sind weiß."

Es liegt nicht nur an der Academy, dass so wenige afroamerikanische Schauspieler für die Oscars nominiert. Auch die Filmindustrie ist dafür verantwortlich: Sie produziert einfach zu wenige Filme mit schwarzen, hispanic oder asiatischen Darstellern.

"The Academy has the right to acknowledge whomever they want. And now I think it's our responsability to make the change. It's time to pull back our ressources."
Schauspielerin Jada Pinkett Smith

In diesem Video erklärt Jada Pinkett Smith, warum sie in diesem Jahr nicht zur Oscarverleihung gehen wird:

We must stand in our power!

We must stand in our power.

Posted by Jada Pinkett Smith on Montag, 18. Januar 2016

Das ist kein rein US-amerikanisches Problem, sagt die Schauspielerin Amina Eisner. Sie hat sich das Video von Jada Pinkett Smith angeschaut und findet es gut, dass die Schauspielerin ihr Kollegen dazu aufruft, selbst Verantwortung zu übernehmen, anstatt darauf zu warten, dass die Oscar-Academy das tut.

Amina Eisner ist selbst schwarz und Schauspielerin. Sie arbeitet auch in England, weil die Rollenangebote dort für sie vielfältiger sind als in Deutschland. "Einmal hatte ich eine Castinganfrage für einen Film, der noch keinen Titel hatte. Sie suchten ein schwarzes Mädel, das Gospel singen sollte. Da war ich schon in der letzten Runde, bis sie überhaupt gefragt haben, ob ich Gospel singen kann. Konnte ich natürlich nicht", erzählt sie. Besonders häufig werden ihr als schwarzer Schauspielerin kitschige Formate angeboten. "Es ist selten etwas ernstzunehmendes dabei." Darum sind Preisverleihungen wie der deutsche Fernsehpreis ähnlich weiß wie die Oscarverleihung.

Mehr Amina Eisner bei DRadio Wissen

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Thandi Sebe hat Amina Eisner in Berlin das Theaterstück "Jung, giftig, schwarz" auf die Bühne gebracht. Darin geht es um den ganz normalen Irrsinn des Schwarzen deutschen Alltags. Mit Thandi Sebe haben wir darüber bei DRadio Wissen gesprochen.