Im vergangenen Sommer 2020 gab es in der Ostsee viele Quallen. Auch in diesem Jahr ist eine Quallenplage möglich, aber nur schlecht vorhersehbar. Meeresforschende versuchen die Ausbreitung der Nesseltiere berechenbarer zu machen.

Im zweiten Sommer, der durch die Coronavirus-Pandemie geprägt ist, entscheiden sich einige für einen Urlaub in Deutschland – zum Beispiel an der Ostsee. So schwer vorhersehbar wie das passende Badewetter ist dort auch die Ausbreitung von Quallen.

Ein Quallenteppich von heute auf morgen

In dieser Saison ist die Lage zwar noch ruhig, erklärt Rettungsschwimmer Stephan Vogt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Nesseltiere können sich aber – abhängig vom Wind und der Strömung – innerhalb kurzer Zeit schnell ausbreiten.

Im vergangenen Sommer habe sich zum Beispiel an der Flensburger Förde binnen weniger Tage ein Teppich aus Feuerquallen gebildet. Der Wind ist von der Küste weggeweht und die Quallen sind in Richtung Land getrieben.

Quallenblüte per App prognostizieren

Wie viele Quallenarten wo auftreten, kann sich jedes Jahr von Ort zu Ort unterscheiden. Der Wind, das Wetter und die Topografie machen die Vorhersage von Quallenschwärmen unberechenbar und basieren bislang auf Erfahrung und Zufall. Das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel hat deshalb zusammen mit der dänischen Universität Odense die App Jelly Spotter entwickelt.

Jelly Spotter zeigt an, ob Qualle giftig ist

Die App ist Teil des Projekts "Go Jelly", mit dem Meeresforschende herausfinden möchten, an welchen Orten sich die Quallen – insbesondere in der Ostsee – wie stark ausbreiten. Fotografiert man eine Qualle über die App, gibt diese unter anderem an, zu welcher Art sie gehört und auch ob sie giftig ist oder nicht.

Gleichzeitig leitet die App die gesammelten Daten an die Forschenden weiter. Mit jedem fotografierten Quallenfund wird das aktuelle Lagebild über die Ausbreitung der Nesseltiere deutlicher. In Zukunft sollen Modellberechnungen die App um ein zusätzliches Feature erweitern und genauere Vorhersagen über Quallenschwärme ermöglichen.

Dass sich Quallen in Zukunft stärker ausbreiten, zeigen erste Hinweise, erklärt Projektleiterin Jamileh Javidpour von der Universität Odense. Grund dafür sei eine Kombination aus Erderwärmung und Überfischung.

"Nach den jüngsten Erkenntnissen müssen wir die Quallenblüte als einen Indikator des Klimawandels beschreiben. Wir betreiben derzeit noch Grundlagenforschung."
Jamileh Javidpour, Projektleiterin "Go Jelly" von der Universität Odense

Was tun beim Kontakt mit einer Qualle

Die meisten Quallen sind für Menschen unbedenklich. Sammeln sich allerdings Feuerquallen an, hissen die Rettungsschwimmenden die gelbe Flagge. Bei Kontakt mit der Haut können Feuerquallen über ihre Nesselfäden ein giftiges Sekret abgeben, das einen brennenden Schmerz und Strieme hinterlassen kann, ähnlich wie bei einer Verbrennung.

"Wir hatten an einem Tag auf einen Schlag bis zu 60 Nesselungen."
Stephan Vogt, Rettungschwimmer DLRG

Als Erste-Hilfe-Maßnahme cremen die Rettungschwimmende die genesselte Haut oft mit Rasierschaum ein. Ähnlich wie Haare richten sich durch den Rasierschaum auch die Nesselfäden auf der Haut auf und können leicht abgeschabt werden. Laut DLRG reicht das oft schon. Zu aufwendigeren Rettungseinsätzen komme es wegen einer Nesselqualle kaum.

Unser Aufmacherbild zeigt eine Feuerqualle in der Ostsee.