Im Osten der Ukraine zwingen prorussische Separatisten Gefangene zu unbezahlter Strafarbeit. Nach Informationen des Deutschlandfunks gibt es in den selbstverwalteten Volksrepubliken Donezk und Luhansk ein Netz von Lagern, in denen tausende Häftlinge zu schwerster Arbeit genötigt werden. Auch Gefangene, die eigentlich schon entlassen wurden, müssen dort weiter arbeiten. 

Deutschlandfunk-Reporterin Sabine Adler hat in der Ostukraine Belege dafür gefunden, dass Häftlinge in Gefängnissen dort zu harter körperlicher Arbeit gezwungen werden. Sie müssen zum Beispiel Betonblöcke oder Stützpfeiler für Bergwerke herstellen oder Bäume fällen. Bislang galt in ukrainischen Gefängnissen, dass man selbst entscheidet ob man arbeitet. 

"Mit der Machtübernahme der Separatisten in diesen Gebieten ist Arbeitszwang ausgerufen worden. Wer sich weigert, der kommt in Isolationshaft."
Sabine Adler, Reporterin Deutschlandfunk Nova

Die Volksrepubliken im Osten der Ukraine finanzieren sich mit dieser Zwangsarbeit. Die Erlöse zum Beispiel aus dem Verkauf von Betonblöcken oder Holz gehen direkt an diese Regime. 

Mit Einverständnis aus Moskau

Ein Menschenrechtler, mit dem Reporterin Sabine Adler in der Ukraine gesprochen hat, sagt: Moskau wisse genau, was die Separatisten in den besetzten Gebieten machen. Es seien Leute aus Moskau vor Ort, die den Machthabern der Volksrepubliken Kommandos erteilen. Die Zwangsarbeit geht also auch auf die Verantwortung Russlands.

"Die Ukraine könnte schon etwas machen: Diesen Missstand in ihren besetzten Gebieten lauter auf der internationalen Bühne zur Sprache bringen."
Sabine Adler, Reporterin Deutschlandfunk Nova

Niemand will für diese ganz normalen Strafgefangenen einstehen. Das sind Kriminelle, die ein Auto gestohlen oder Geld geklaut haben. Nur Menschenrechts-Aktivisten setzen sich für sie ein. Die ukrainische Regierung spricht international nur politische Kriegsgefangene an, bei den Minsker Verhandlungen zum Beispiel.

"Viele sagen, das sind doch Verbrecher. Ich sage, diese Häftlinge sind Teil unserer Gesellschaft. Wenn wir sie ignorieren, werden sie böse auf uns, was schlimme Folgen haben kann."
Pawel Lisjanskij, Menschenrechtler in der Ostukraine

Das Thema muss auf die Agenda internationaler Zusammenkünfte gesetzt werden. Denn von Kiew aus ist im Moment nicht viel zu machen, weil die ukrainische Gesetzgebung in den besetzten Gebieten außer Kraft gesetzt ist. Waffenruhen werden verhandelt und immer wieder gebrochen.

"Internationale Aufmerksamkeit würde nutzen. Aber die Ukraine selbst darf auch nicht locker lassen. Leider muss man damit rechnen, dass dieser Zustand noch lange anhält."
Sabine Adler, Reporterin Deutschlandfunk Nova

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