Die superteure Regenjacke - einmal getragen. Die Wanderschuhe - müssen irgendwo sein. Vor allem in Sachen Outdoor-Mode lohnt es sich oft, auf's Leihen umzusteigen.

Es gibt so Dinge, die trägt man nur einmal oder nur alle Jubeljahre: Den Smoking, den Ski-Anzug, die Super-Regenjacke oder die Multifunktionsarbeitshose. Die restliche Zeit schlummern die Teile in den Tiefen des Kleiderschranks. Wirklich nachhaltig ist das nicht. Ina Budde lehrt an der Modeschule Esmod in Berlin und sagt, das könnte sich ändern.

Sonderwünsche mieten - große Anschaffungen meiden

Den Trend zum Leihen und Weiterverteilen gibt es für Fashion-Begeisterte schon länger. Geldbeutel schonend kann man sich mittlerweile auf vielen Wegen auf den aktuellen Modestand bringen: durch Miet-Modeläden, Tausch-Flohmärkte oder den unkomplizierten Weiterverkauf online. 

Schwedische Unternehmen, sagt Ina Budde, sind beim Modell "Mode-Leasing" besonders experimentierfreudig: "Von Oberbekleidung über Jeans bis zu Kleiderbibliotheken gibt es unterschiedliche Businessmodelle für Mode zum Mieten". So bot das Label Filippa K. die letzte Sommerkollektion zum Leasen und Ausprobieren an. In Sachen Sportausrüstung ist dieser Trend zumindest hierzulande noch nicht total durchgestartet. Dabei ist gerade Outdoor-Mode besonders teuer.

"Die ganze Zeit, wo die Kleidung nicht getragen wird, hängt sozusagen wertvolle Ressource im Kleiderschrank."
Ina Budde, Modeschule Esmod

Das betrifft die Wanderschuhe, die wir einmal getragen haben, um beim Betriebsausflug Eindruck zu schinden - oder die Regenjacke, die uns vom Look doch eine Spur zu "praktisch" ist. Ina Budde glaubt, dass das Leasing-Modell gerade in diesem Bereich Potenzial hat. Ein Vorteil wäre: Für die einmaligen Einsätze könnten wir uns qualitativ bessere Produkte leihen und würde nicht zur "Ich-brauch-halt-schnell-was"-Lösung greifen.

Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen

Ein Grund, warum Unternehmen auf Miet-Mode setzen, ist, um es als Marktforschungstool zu nutzen, erklärt Ina Budde: Was kommt an? Was nicht? Für neue Marken, die sich explizit der Nachhaltigkeit verschrieben haben, gehe es aber um etwas anderes: 

"Sie haben verstanden, dass in Zukunft lineare Businessmodelle nicht mehr funktionieren werden."
Ina Budde, Modeschule Esmod

Wie das aussehen kann, zeigt etwa der schwedischer Hersteller für Outdoormode Houdini Sportswear: Er bietet Secondhand-Kleidung im Shop, einen Miet- und Reparaturservice und recycelt Materialien. Für Modedesignerin Ina Budde ein zukunftsfähiges Modell.

Und auch für alle, die schnell den neusten Trend haben wollen, könnte es eine Lösung sein, meint die Modedesignerin mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Ungenutztes Potenzial für die Mieterei gibt es allemal: Nach einer Greenpeace-Studie werden 40 Prozent der 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in den deutschen Schränken selten oder nie getragen.