Facebook, Google und Co. sind sehr mächtig. Das ist nicht neu. Was aber passiert, wenn eine Pleite droht? Antworten liefert eine Studie der Oxford Universität. Auf ein Aus ist die Welt nicht vorbereitet, so das Ergebnis. Ein Aus hätte sogar weitreichende Folgen. Unsere Netzreporterin Martina Schulte hat sich die Analyse angeschaut.

Hinter der Studie stecken der Ethikforscher Carl Öhman und die Juristin Nikita Aggarwal der Universität Oxford. Die beiden haben untersucht, was passiert, wenn Facebook in finanzielle Schwierigkeiten geraten würde und dicht machen müsste.

Das Szenario einer Pleite ist eher unwahrscheinlich, das wissen auch der Wissenschaftler und die Wissenschaftlerin. Klar ist aber auch, so die Studie, dass die Welt auf die Folgen eines Aus nicht vorbereitet wäre, so unsere Netzreporterin Martina Schulte.

Was würde das Aus von Facebook bedeuten?

In ihrer Studie, die im Fachjournal "Internet Policy Review" erschien, schreiben sie zum Beispiel, dass das Abschalten einer globalen Kommunikationsplattform wie Facebook "katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen für unzählige Gemeinschaften haben [könnte], die täglich auf die Plattform angewiesen sind."

Denn viele User und Userinnen halten vor allem über Facebook Kontakt mit ihren Freunden und Freundinnen sowie mit ihren Familien, so Martina Schulte. Außerdem könnte es dazu kommen, dass die Userdaten quasi als Konkursmasse nach einer Insolvenz an den Meistbietenden verkauft werden. Aber auch kleine Unternehmen, die ihre Kunden vor allem über Facebook ansprechen, würden unter dem Ende der Plattform leiden.

"Ein Aus hätte zum Beispiel den Nebeneffekt, dass unsere Userdaten als Konkursmasse an den Meistbietenden verscherbelt würden."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Facebook ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, um Netzwerke aufzubauen und zu unterhalten. Doch in der Studie verweisen der Autor und die Autorin auf die Bedeutung von Facebook. Sie vergleichen die Plattform mit den "systemrelevanten Finanzinstituten", die so wichtig sind, dass sie bei der Bankenkrise 2008 gerettet wurden. Facebook ist "too big to fail", also zu groß zum Scheitern. Der Schaden durch eine Insolvenz wäre für die Gesellschaft zu groß.

Facebook ist "too big to fail"

Die Pleite von Facebook wäre vor allem auch ein Problem für Entwicklungs- und Schwellenländer. "In Ländern wie zum Beispiel Laos oder Myanmar ist Facebook synonym mit dem Internet an sich", sagt Martina Schulte. Die User und Userinnen wählen sich über kostenlose Facebook-Apps ins Netz ein.

In der Studie geht es auch um den möglichen historischen Verlust durch ein Aus von Facebook. All die Fotos auf der Plattform ermöglichen einen Blick zurück auf Mode, Kultur oder auch Stadtentwicklung. Im Guardian denkt die Studienautorin Nikita Aggarwal darüber nach, das Facebook-Archiv zu einer "Stätte des digitalen Welterbes" erklären zu lassen.

Ob ein Aus überhaupt möglich erscheint, bleibt aber offen, so Martina Schulte. Die Studie beruht auf einem Gedankenspiel.

"Für sehr wahrscheinlich halte ich einen Untergang von Facebook in der sehr nahen Zukunft nicht."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Andererseits scheint seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie vieles möglich. Auch eine Weltwirtschaftskrise, die großen Unternehmen – inklusive der Tech-Riesen – enorme Schwierigkeiten bereiten könnte. "Die großen Techkonzerne sind nicht per se vor dem Untergang geschützt, nur weil sie uns heute so unverzichtbar vorkommen", sagt Martina Schulte. Dass in naher Zukunft ein Aus droht, scheint dennoch im Moment unwahrscheinlich.