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In Städten wären Paketboten mit Lastenrädern schneller bei uns – das zeigt eine neue Untersuchung. Sie können zum Beispiel Staus ausweichen, brauchen so weniger Zeit für Strecken. Bei der Logistik können Lastenräder die klassischen Transporter allerdings nicht abhängen.

In manchen Städten rollen sie schon durch die Straßen: Paketboten auf Lastenrädern. Statt im typischen Kasten-Transporter mit Verbrennungsmotor fahren sie mit einem E-Antrieb und Lastenbox hinter sich auf drei oder vier Rädern durch die vollen Straßen. Gerade in Großstädten sind die Paketboten mit dem Lastenrad vergleichsweise schnell unterwegs. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von der Active Travel Academy der University of Westminster in London.

Dafür haben die Forschenden die Lastenräder einer britischen Logistik-Firma beim Ausliefern der Pakete über GPS verfolgt und die Zeit, die sie für ihre Route gebraucht haben, mit der eines Transporters verglichen. Anders als bei den Lastenrädern haben die Forschenden die Auslieferungszeit der klassischen Paket-Autos allerdings nicht selbst per GPS verfolgt, sondern über eine Simulation berechnet.

Lastenrad: schneller und umweltfreundlicher

Es zeigte sich: Die Lastenräder waren in der Innenstadt um 60 Prozent schneller, als die Transporter auf ihren Routen gewesen wären. Zudem haben die Paketboten mit dem Rad zehn Pakete in der Stunde ausgeliefert und die Fahrer in der Simulation mit Transportern sechs Sendungen.

Laut den Forschenden sind die fahrradfahrenden Paketboten im dichten Londoner Straßenverkehr schneller unterwegs, weil sie – anders als mit dem Auto – an Staus vorbeifahren und Abkürzungen nehmen können, die für Autos gesperrt sind. Mit einem Lastenrad können sie auch direkt vor der Haustür der Empfängerinnen und Empfänger parken und sparen sich die Parkplatzsuche.

Dabei stoßen die Fahrräder mit Elektroantrieb 90 Prozent weniger CO2-Emissionen aus als ein Diesel-Transporter. Abgase gibt es mit den Lastenrädern ebenfalls keine, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt.

"Die E-Lastenräder, die in Deutschland im Einsatz sind, sind meist spezielle Modelle, die extra für das Ausliefern von Paketen gemacht sind."
Joahnnes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

In Deutschland liefern Paketdienste teilweise schon per Lastenrad. UPS hat seine Fahrzeugflotte in Hamburg vor neun Jahren um die Fahrräder ergänzt und liefert damit mittlerweile auch in andere deutschen Großstädten aus. DHL nimmt dazu gerade in Hamburg an einem Pilotprojekt teil und Hermes ist unter anderen in Berlin, Leipzig, Dresden und Rostock mit den Rädern schon im Regelbetrieb.

In ländlicheren Regionen setzt das Unternehmen die Lastenräder gerade nicht ein, erklärt Michael Peuker, der den Titel Manager für Nachhaltigkeit bei Hermes trägt. Im dichten Stadtverkehr sei die Flexibilität des Lastenrads ein Vorteil. Es auch abseits der Innenstädte einzusetzen macht deshalb weniger Sinn, sagt er.

In den Randgebieten oder auf dem Land können wir die Vorteile eines Lastenfahrrads nicht ausspielen."
Michael Peuker, Sustainability Manager Hermes

In Sachen Schnelligkeit stellt Michael Peuker für die Transporte von Hermes keinen Unterschied zwischen Lastenrädern und Paket-Auto fest. Obwohl die Räder schneller durch den Verkehr kommen, würden die Transporter mehr Pakete – kleine und große – in einer Ladung transportieren können. Das gleiche die Zeit, die sie für die Auslieferung brauchen, wieder aus.

Teure Mieten für Mikrodepots von Lastenrädern

Zudem lagern die Pakete, die per Lastenrad transportiert werden, in sogenannten Mikrodepots. Die sind über die Stadtviertel verteilt, damit die Räder in den Städten möglichst kurze Wege haben. Oft ist es allerdings schwer, passende Immobilien dafür zu finden, so Michael Peuker. Zumal auch die Mieten in den Innenstädten teuer seien. Was die Kosten angeht, rentiere sich am Ende dann doch der Transporter, der seine Pakete einmal am Tag an einem großen Logistikzentrum einsammelt.