Es ist die Story der Woche: die Veröffentlichung interner Dokumente, die zeigen, welche Kunden weltweit über 210.000 Briefkastenfirmen betreiben. Um mögliche Verschleierungen und dubiose Geschäfte aufzudecken, ist auch die Crowd zur Recherche aufgefordert.

Es ist vermutlich das größte Rechercheprojekt der Geschichte: Insgesamt konnte ein Team von mehr als 370 Journalisten im vergangenen Jahr ein Datenleck auswerten, das über 11,5 Millionen Dokumente umfasst mit einer Dateigröße von über 2,6 Terabyte. Was die Kollegen der jetzt berichtenden Medien gefunden haben, könnt ihr hier nachhören:

Benedikt Strunz, Journalist beim NDR
Wir haben natürlich in diesen Daten wahnsinnig viele Fälle gefunden, wo diese Briefkastenfirmen vor allem einen einzigen Zweck erfüllen. Und das ist die Verschleierung."

Sicher wird in den nächsten Tagen und Wochen noch einiges nachkommen - vielleicht auch mit eurer Hilfe. Aber wie geht das?

  1. Klickt auf die Seite offshoreleaks.icij.org
  2. Bestätigt den Disclaimer. Darin steht etwa, dass das International Consortium of Investigative Journalists nicht unterstellt, dass Personen oder Firmen, die in den Daten vorkämen, gegen ein Gesetz verstoßen oder unredlich handeln.

Jetzt habt ihr Zugriff auf die gesamten Daten. Zwar sind einige Einträge aus diversen Gründen zurückgehalten, die sollen aber demnächst veröffentlicht werden. "Das Material ist schon nett grafisch aufbereitet und verknüpft“, sagt unser Netzreporter Michael Gessat. "Mossack Fonseca hatte die Unterlagen eh schon sehr ordentlich abgespeichert und für jede dieser Briefkastenfirmen einen Datenordner angelegt, in dem also Adressen, Kontoverbindungen und irgendwelche Dokumente als PDF gespeichert waren.“

Die Süddeutsche Zeitung und das International Consortium of Investigative Journalists haben die Dokumente nochmals in eine leicht zu durchsuchende Form gebracht. Herausgekommen ist eine Datenbank mit Suchmaske, die nach Ländern, Personen, Firmen, Anschriften sortieren kann und auch Querverknüpfungen anzeigt.

Beispiel Gunter Sachs

Wenn ihr einen möglichen Kunden finden wollt, so wählt zum Beispiel "All Countries" und gebt einen Namen in die Suchmaske ein. Erschient dieser nach der Suche, kommt ihr mit einem Klick auf den Namen an weitere Informationen. Das Beispiel Gunter Sachs zeigt grafisch schön veranschaulicht: Der mittlerweile verstorbene Fotograf, Playboy und Geschäftsmann war Anteilhaber an gleich fünf Offshore-Firmen.

Welche Chance hat die Crowd?

Jeder interessierte Nutzer kann sich quer durch das Material hangeln und entdeckt möglicherweise interessante Verbindungen - eine tolle Idee. Michael Gessat bleibt jedoch skeptisch, ob Nutzer auch nur ansatzweise beurteilen können, was wirklich brisant sein könnte, denn dafür müsste man noch viel mehr weitere Datenquellen oder Informationen haben: "Ich will das nicht ausschließen, dass in Einzelfällen auch im verfügbaren Web solche Mosaiksteine zu finden sind, die einen Panama-Datensatz dann vervollständigen“.

"Ich fürchte, dass da jetzt am meisten solche Kurzschlüsse rauskommen, wie: 'Die stehen da drin, die haben bestimmt auch Dreck am Stecken'."
Michael Gessat, DRadio Wissen

Nachtrag:

Der Zugriff der User bleibt auf Namen, Adressen und deren Querverbindungen beschränkt. Anders als wir am Montag morgen zunächst angenommen hatten,betrifft auch die Downloadoption nur diese Metadaten und nicht etwa die detaillierten Dokumente aus den Kundenordnern selbst. Das soll auch so bleiben; laut Süddeutscher Zeitung wolle man nicht zum "verlängerten Arm der Staatsanwaltschaft" werden."