Auf vielen Handys ist die Corona-Warn-App vermutlich noch installiert. Im Alltag spielt die vom Robert-Koch-Institut entwickelte Anwendung kaum noch eine Rolle. Wie es für sie weitergehen könnte.

Das jüngste Update der im Juni 2020 eingeführten Corona-Warn-App stammt von Ende Oktober 2022. Es könnte die letzte Aktualisierung sein. Denn: Wie es mit der App weitergeht, ist mehr als unklar. Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelte Anwendung für Android- und Apple-Smartphones kostet den Staat (und damit auch Bürgerinnen und Bürger) viel.

Für 2022 rechnete die Regierung mit Kosten von 50 Millionen Euro. Aber dieses Budget wird wohl um fast die Hälfte überschritten – wir könnten also bei 73 Millionen Euro für das Jahr 2022 landen.

"Auf die gesamte Laufzeit berechnet, kostet die Corona-Warn-App den Steuerzahler wohl 220 Millionen Euro."
Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das ist zu viel Geld für den Nutzen, heißt es von Kritiker*innen. Dennoch laufen die Verträge zur mindestens zehn Millionen Mal runtergeladenen App noch bis Ende Mai 2023. Das bedeutet, dass 2023 noch einmal 23 Millionen Euro Kosten auflaufen werden.

Corona-Warn-App kostet den Staat viel

Die Begründung des Bundesgesundheitsministeriums: Es gebe nach wie vor eine dynamische Pandemielage und die Fallzahlen in den Wintermonaten könnten möglicherweise ansteigen. Kritik entzündet sich nicht an der App selbst. Vielmehr wird die Frage gestellt, ob die Politik in Deutschland zu viel Geld für Unterhalt und Entwicklung bezahlt hat.

Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll kann diese Kritik in gewisser Weise nachvollziehen, weil es Länder gibt, die es deutlich preiswerter geschafft haben, passende IT-Lösungen in der Pandemie-Bekämpfung an den Start zu bringen.

Finnland zum Beispiel ruft für die Gesamtlaufzeit seiner Corona-App 6 Millionen Euro auf – die Niederlande geben fast 15 Millionen für Entwicklung und Betrieb an. Zwar sind die Länder deutlich kleiner als Deutschland, aber der finanzielle Unterschied bei der App-Entwicklung und dem Betrieb ist ziemlich hoch.

Kaum noch Aussagekraft: Die Corona-Warn-App

Anhand der hohen Kosten lässt sich also durchaus die Frage stellen, ob die Corona-Warn-App überhaupt noch gebraucht wird. Die Opposition im Bundestag sagt Nein zur App; es gebe keine validen Informationen darüber, ob die App überhaupt noch in einem relevanten Ausmaß zur Kontaktverfolgung genutzt wird.

Netzreporter Andreas Noll hält die Kritik durchaus für berechtigt, da die App mittlerweile nicht mehr viele Menschen zur Warnung nutzen. Am Montag (05.12.2022) waren es demnach 2191 Personen. Eine geringe Zahl angesichts der aktuellen Infektionslage. Auch die Check-in-Funktion bei Treffen von Menschenansammlungen habe kaum noch eine relevante Funktion. Die App habe insgesamt kaum noch Aussagekraft, da sich in Deutschland niemand mehr testen lassen muss – zum Beispiel, um auf ein Konzert zu gehen.

Alternative als Zertifikats-Speicher ist deutlich günstiger

Hinzu kommt, dass in vielen Bundesländern die Isolationspflicht aufgehoben wurde. Daher muss es nichts bedeuten, wenn User*innen über die App gewarnt werden. Die Corona-Warn-App als Zertifikats-Speicher zu nutzen, ist dank Alternativen wie Covpass nicht nötig. Die Covpass-App des RKI ist deutlich preiswerter im Unterhalt und verbraucht weniger Akku als die Corona-Warn-App.

In den meisten anderen EU-Staaten wurde die Corona-App mittlerweile eingestampft. Neben Deutschland gibt es sie eigentlich nur noch in Frankreich, wo die App für die Politik aber keine Rolle mehr spielt.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter