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Wenn die Arbeitszeit im Team ausfranst, muss das nicht schlecht für die gemeinsamen Projekte sein. Die Organisation wird allerdings aufwendiger.

Covid-19 verändert auch die Arbeitswelt. Es wird mehr im Homeoffice gearbeitet und innerhalb von Teams und Abteilungen auch vermehrt zu unterschiedlichen Zeiten – asynchrones Arbeiten nennt sich das. Arbeitnehmende können so Beruf und Alltag besser miteinander kombinieren, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran.

Das flexibilisiere das Leben nicht nur für Beutreuungsaufgaben, also Care-Arbeit mit den eigenen Kindern und Angehörigen, sondern auch entsprechend dem jeweiligen Arbeitstyp. Produktivere Zeiten könnten besser ausgenutzt werden, Pausen je nach persönlicher Präferenz verlängert, gekürzt oder platziert werden.

Flexibilität als Gewinn

Auch Arbeitgebende können durch stärkere Flexibilität von asynchronem Arbeiten profitieren, ist Daniela Woytewicz überzeugt. Sie arbeitet als Formatentwicklerin für Funk und WDR. Dabei organisiert sie verschiedene Projekte gleichzeitig, mit verschiedenen Teams, darunter viele Freelancer mit jeweils mehreren Jobs und Projekten.

"Der größte Vorteil ist Flexibilität. Dadurch kann ich viele gute Leute gewinnen, die ansonsten für ein Projekt blockiert wären."
Daniela Woytewicz, Formatentwicklerin für Funk und WDR

Trotz unterschiedlicher Arbeitszeiten müsse dennoch ein Teamgefühl erhalten bleiben, beziehungsweise entstehen. Deswegen müsse über Zeitplan und Aufgaben regelmäßig gesprochen werden, sagt Daniela Woytewicz. Sie glaubt, dass asynchrone Teams nur funktionieren, wenn sie sich wöchentlich oder zweimal wöchentlich treffen und über das Wichtigste sprechen.

Inspiration braucht Synchronität

In einigen Bereichen sei asynchrones Arbeiten hingegen unvorteilhaft, sagt Stefan Rief. Er leitet beim Fraunhofer Institut den Forschungsbereich Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung. Zu kurzen, ungeplanten Gesprächen komme es eher in synchronen Situationen. Diese seien wichtig für gegenseitige Inspiration.

"Es gibt die Vermutung, dass Ideen, Entwicklung, Innovation schon auch gut synchron miteinander funktionieren."
Stefan Rief, Leiter des Forschungsbereichs Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung am Fraunhofer Institut

Damit asynchrones Arbeiten wirklich funktioniert, brauche es mehr Organisation, berichtet Daniela Woytewicz. Jedes Team brauche dann eine Person, die das Gehirn des Projekts ist. Zuständigkeiten und Verantwortung müssten unbedingt vor Projektbeginn geklärt sein.

"Man braucht also das Gehirn, das die Aufgaben verteilt, Aufgabenpakete aufbereitet, den Zeitplan im Überblick hat und dann wirklich die einzelnen Leute brieft oder noch mal einen Reminder raus schickt."
Daniela Woytewicz, Formatentwicklerin für Funk und WDR