• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Im Frühjahr 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Verbreitung von Covid-19 zur Pandemie. Deutschland beschloss daraufhin, wie andere Staaten auch, Maßnahmen gegen die Pandemie. Deren Auswirkungen aber belasten Menschen in ganz unterschiedlichem Maße. Ein Vortrag der Politikwissenschaftlerin Dorothée de Nève.

Politikerinnen und Politiker haben Vorstellungen davon, wie Menschen leben, was sie brauchen und was ihnen wichtig ist. Und sie haben ein Bild davon, wie Familien aussehen. Auch das beeinflusst, welche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung sie befürworten oder ablehnen.

"Als die Maßnahmen gegen die Pandemie beschlossen wurden, spielte ein inklusives Gesellschaftsbild, das unterschiedliche Lebensentwürfe des 21. Jahrhunderts tatsächlich berücksichtigt, keine Rolle."
Dorothée de Nève, Politikwissenschaftlerin

Bei den Maßnahmen gegen die Pandemie sind gesellschaftliche Gruppen übersehen worden, darauf weist die Politikwissenschaftlerin Dorothée de Nève in ihrem Vortrag hin. Sie geht besonders darauf ein, welche Auswirkungen die Coronamaßnahmen auf die LGBTIQ-Community haben.

"Was die Maßnahmen für LGBTIQ-Personen bedeuten, wurde nicht mitreflektiert."
Dorothée de Nève, Politikwissenschaftlerin

In ihrem Vortrag spielt ein Begriff aus den Sozialwissenschaften eine zentrale Rolle, das so genannte Framing. Mit welchen Begriffen ich eine Situation beschreibe oder wie ich eine Geschichte erzähle, ist immer schon zu einem gewissen Grad eine Interpretation.

Framing als Interpretation

Diese implizite Deutung wiederum beeinflusst mein Handeln. Ob wir die Covid-19 Pandemie zum Beispiel als Krieg, als Naturkatastrophe oder als Krise beschreiben, beeinflusst, welche Mittel uns geeignet erscheinen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

"Man ist davon ausgegangen, dass die heterosexuelle Idealfamilie die Normalität ist und dass alle von nichts anderem träumen, als in diesem Kreis ihre Weihnachtstage zu verbringen."
Dorothée de Nève, Politikwissenschaftlerin

Dorothée de Nève ist Professorin für das politische und soziale System Deutschlands und den Vergleich politischer Systeme an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zu ihren Schwerpunkten gehören Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung, antidemokratische Haltungen und Genderstudies.

Ihr Vortrag trägt den Titel "Corona und Politik". Gehalten hat sie ihn online am 09.06.2021 im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung "Shaping the Future. Female and Queer Perspectives on Possible Futures" der Justus-Liebig-Universität Gießen.