Zunächst wirkte Papst Franziskus auch beim Thema Abtreibungen moderat. Das hat sich geändert. Wir haben mit der Journalistin Christiane Florin gesprochen.

Papst Franziskus hat sich erneut gegen Abtreibung ausgesprochen und diese mit einem Auftragsmord verglichen – auf Italienisch affittare un sicario. Das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte sich am Mittwoch (10.10.2018) in seiner wöchentlichen Generalaudienz, die dem fünften Gebot Du sollst nicht töten gewidmet war.

Das folgende Video zeigt die ganze Audienz. Es beginnt etwa bei der genannten Textstelle.

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Manchmal werde Abtreibung als Wahrnehmung anderer Rechte gerechtfertigt, sagte Franziskus. Dann stellte er eine Reihe rhetorischer Fragen an seine Anhänger, die diese lauthals im Chor beantworteten, wie es in dem Video zu hören ist.

Der Papst fragte, wie ein Akt, der unschuldiges und wehrloses werdendes Leben unterdrücke, therapeutisch, zivil oder menschlich sein könne. Ob es richtig sei, einen Auftragsmörder anzuheuern, um ein Problem zu lösen. Die Antwort gab der Papst direkt im Anschluss. Nein, es sei nicht fair. Wir dürften einen Menschen nicht töten, selbst wenn er klein sei.

Überraschender Zeitpunkt für Anti-Abtreibungsrhetorik

Wir haben mit der Journalistin und Politologin Christiane Florin über die Agenda von Papst Franziskus gesprochen. Für sie ist es überraschend, dass der Papst ausgerechnet jetzt Abtreibungen verdammt, in einer Zeit, in der die katholische Kirche mit massiven Missbrauchsvorwürfen konfrontiert ist.

"Dass er jetzt die Abtreibung verdammt, gleich nachdem er den Krieg verdammt hat, das finde ich bemerkenswert."
Christiane Florin, Deutschlandfunk

Es war das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass der Papst die Ablehnung der Kirche gegenüber Abtreibungen drastisch zum Ausdruck brachte.

Im Juni 2018 hatte er kritisiert, dass manche werdenden Eltern testen lassen, ob ein Fötus missgebildet ist, und sich dann gegebenenfalls für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden. Das verglich Papst Franziskus mit der sogenannten Rassenhygiene im NS-Staat.

"Der Papst hat sich verändert. Er redet in letzter Zeit ziemlich wirr, wenn man an seine Äußerung über Kinder mit homosexuellen Neigungen denkt, die zum Therapeuten gehen sollen."

2015 hatte Franziskus katholischen Priestern noch gestattet, Frauen von der Sünde der Abtreibung loszusprechen. Er äußerte Verständnis für Frauen, die sich in einer Notsituation für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Christiane Florin erinnert daran, dass der Papst 2016 in Bezug auf Homosexuelle fragte: "Wer sind wir zu urteilen?"

Mit seiner aktuellen Anti-Abtreibungsrhetorik richte sich der Papst vermutlich gezielt an rechtskatholische Kreise. In dieser Gruppe ginge es nicht um das Leben von Kindern, sondern auch um die Kontrolle der Frauen, sagt Christiane Florin.

"Von seinen Reformen ist jetzt nichts mehr zu spüren. Gerade hat der Vatikan gesagt: 'Es wird niemals Priesterinnen geben.' "
Christiane Florin, Deutschlandfunk

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