Einen halben Tag Trauer: Nach den Anschlägen in Paris waren Hashtags wie #TodosSomosParis, #PrayforWorld und #ParisAttacks in den Trending Topics. Allerdings nur für ein paar Stunden.

Das gilt für die weltweiten Hashtags. Nachschauen könnt ihr die auf Trendinalia. Am längsten hielt am 13.11. - also am Tag der Anschläge - der spanische Hashtag #TodosSomosParis durch - und zwar elf Stunden und fünf Minuten.

  • #PrayForWorld liegt bei neun Stunden
  • #ParisAttacks bei unter sieben
  • #PrayForParis bei knapp über fünfeinhalb Stunden

Die Trending Topics beschreiben den Neuigkeitswert - und der kann bei Hashtags ziemlich schnell wieder sinken. Ein Hashtag kann nur dann trenden, wenn viele Leute es gleichzeitig tweeten oder retweeten. Das gleiche gilt für Profilfotos mit darübergelegter Tricolore bei Facebook und geteilten Zeichnungen wie der von Jean Jullien, die den Eiffelturm als Peacezeichen zeigt.

15 Minuten Ruhm sind schnell wieder vorbei

Symbole und Hashtags können innerhalb von Minuten einen Top-Neuigkeitenwert haben - und genauso schnell ist das dann wieder vorbei, schreibt die Kolumnistin Caitlin Dewey bei der Washington Post. Teilweise habe das mit dem normalen Hoch und Runter von Nachrichten zu tun, teilweise liege es einfach in unserer menschlichen Natur, weil unser Interesse so schnell schwindet.

Trotzdem wünscht sich Caitlin Dewey, dass wir uns gerade nach Ereignissen wie in Paris mehr Zeit zur Reflektion nehmen. Natürlich auch im Netz.

"But after a tragedy like the one in Paris, we need time for sustained, contemplative thought. And there is no time for anything, ever — the Internet moves on."
Caitlin Dewey in ihrem Artikel "The tragically short half-life of online empathy" über Onlinetrauer

Das übliche Grundrauschen geht schnell weiter im Netz: Katzen, Wetter, Sinnsprüche. So ebbten auch bis Montag die Tweets rund um #PrayForParis und Co. wieder ab. Demnächst gehen vermutlich auch viele Facebookuser mit ihren Profilfotos wieder back to normal und zeigen keine Tricolore mehr.

Berichterstattung nach dem Foto von Aylan Kurdi

Ähnliches ist vor wenigen Wochen in der klassischen medialen Berichterstattung passiert. Das Foto des toten syrischen Flüchtlingsjungen, Aylan Kurdi, der am Strand in der Türkei gefunden wurde, hat uns Anfang September erschüttert. Eine Woche lang erschienen daraufhin in den klassischen Medien vor allem Artikel, die die Flüchtlingskrise aus der humanitären Perspektive beschrieben. Es dauerte genau eine Woche, bis sich das wieder änderte.

Das hat das European Journalism Observatory in einer Studie herausgefunden: Westeuropäische Zeitungen zeigten sich nach der Veröffentlichung des Fotos des ertrunkenen Jungen signifikant empathischer gegenüber Migranten und Flüchtlingen. Lange hielt dieser Wechsel in der Haltung nicht an: "within one week most had reverted to their original editorial position. By the end of the month all were less positive than at the beginning", steht in dem Bericht "How Europe’s Newspapers Reported The Migration Crisis".