In New York zur Therapie gehen – völlig normal. Trotzdem hat genau diese Stadt ein Konzept für seelische Gesundheit eingeführt: Friendship Benches. Die stammen aus Zimbabwe, wo es gerade mal 14 Psychotherapeuten im ganzen Land gibt.

Als Jugendlicher wurde Steven Lopez zu verschiedenen Ärzten geschickt. "Aber, die verstanden gar nicht, was ich durchmachte", erzählt er. "Waren die überhaupt schon mal high gewesen? Oder hatten sie schon mal darüber nachgedacht, vom Dach zu springen?"

Therapeutisches Konzept für alle

Steven Lopez geht es heute besser. Mittlerweile ist es sein Job, anderen zu helfen, die depressiv, drogenabhängig oder obdachlos sind. Eigentlich sitzt er auf einer Bank in Harlem, einem ärmeren Viertel in New York. Wegen der Kälte des Winters ist die Friendship Bench allerdings in ein Gebäude einer Außenstelle des New Yorker Gesundheitsamts gezogen.

Die Original-Friendship Benches aus Zimbabwe sind aus Holz. Die New Yorker-Variante ist knall-orange, denn sie sollen auffallen, erzählt Takeesha White vom städtischen Gesundheitsamt.

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Wenn Takeesha White New Yorkern die Friendship Benches zeigt, dann halten die das erst mal für Comedy. Sie war beim Gesundheitsamt dafür zuständig, die Idee aus Zimbabwe an New York und die Bedürfnisse der Bewohnern anzupassen. In Zimbabwe sitzen Hunderte Großmütter im Land verteilt auf den hölzernen Bänken und haben ein offenes Ohr für jeden und jede, der oder die jemand zum Reden braucht. Für New York fand Takeesha White es sinnvoller, ganz unterschiedliche Menschen auf die Bänke zu setzen.

Eine davon ist Kristy Sepulveda. Sie ist 21 und versucht vor allem Jugendliche dazu zu bringen, sich zu ihr zu setzen.

"Jugendliche sind schwerer, zum Reden zu kriegen, aber wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen mit schwierigen Familienverhältnissen, Drogen und Alkohol erzähle, öffnen sie sich."

Im Winter steht die Bank nicht wie sonst jeden Tag draußen. Deshalb gegen Kristy und ihre Kollegen in Heime oder auch in U-Bahn-Stationen, um Gesprächsangebote zu machen. Steven Lopez glaubt, mit jemand wie ihm oder Kristy zu reden, ist für manche besser, als zum Therapeuten zu gehen.

"Eine Person mit Lebenserfahrung ist irgendwie echter. Mir selbst hilft es ja auch – ich rede mit ihnen und sehe mich selbst. Das ist wunderbar."

Zuhören, die eigenen Erfahrungen spiegeln und echtes Interesse zeigen. Darum geht es, und Takeesha White, die das Programm aufgebaut hat, ist überzeugt, dass es hilft, Symptome lindern und Menschen dazu bewegen kann, ihre Probleme anzugehen.

"Die Forschung zeigt uns, dass es einer Person, die Unterstützung erfährt, besser geht, die Symptome also abnehmen. Sie haben dadurch eine höhere Wahrscheinlichkeit, ihre Probleme lösen zu können."
Takeesha White, Mitinitiatorin Friendship Bench New York

Viele Menschen mit Depressionen suchen keine professionelle Hilfe, obwohl sie es könnten. Aber vielleicht sitzen die wahren Profis ja gar nicht in psychiatrischen Praxen, sondern auf Friendship Benches. Laut Gesundheitsamt haben sich Kristy, Steven und ihre Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr mit 60.000 Menschen unterhalten. Steven Lopez glaubt, dass er sein Leben früher in den Griff bekommen hätte, wenn es die orangenen Plastikbänke schon gegeben hätte, als er Probleme hatte.

"Wenn ich schon früher eine Person mit Lebenserfahrung getroffen hätte, dann wäre ich auch schon früher gerettet worden. Aber zu spät ist es nie."
Steven Lopez, Friendship Bench New York

Takeehsa White hofft, dass auch anderswo Friendship Benches aufgestellt werden. Mit Menschen, die zum Gespräch einladen. Leute, die selbst Krisen durchgemacht haben und Wissen haben, das man im Psychologie-Studium nicht lernt.