Gaststätten müssen die Anzahl der Tische verringern. Einige Städte bieten ihnen jetzt Parkplätze als zusätzliche Biergartenflächen an. Ein Kölner Brauhaus-Betreiber hält das für eine gute Idee – und hofft auf Verständnis der Autofahrer.

Parkplätze zu Biergärten umwandeln: Das ist eine Idee, über die einige Städte in Deutschland gerade nachdenken. In Köln zum Beispiel ist sie so konkret, dass manche Restaurants, Cafés und Bars jetzt nur noch auf die Genehmigung warten, die Stühle und Tische auf Parkplätzen platzieren zu dürfen. Politisch ist die Nutzung bereits beschlossen, und sie ist gebührenfrei.

″Man merkt, dass die Gäste nicht in dem gleichen Maß zurückkehren. Es fehlen Gruppen und größere Gesellschaften. Ich sag mal: Die Süffigkeit geht ein wenig verloren.″
Till Riekenbrauk, Geschäftsführer eines Brauhauses in Köln

Spezielle Infektionsschutzregeln erfordern mehr Raum

Für die Gastronomie gelten spezielle Infektionsschutzregeln, etwa Mindestabstände zwischen den Tischen. Könnten die Gastronomiebetriebe ihren Biergarten durch die Nutzung von Parkplätzen vergrößern, könnten sie so mehr Sitzplätze anbieten.

Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass sich wegen des höheren Platzangebots draußen die Gäste auch tatsächlich eher draußen einen Tisch suchen. Das wiederum ist sinnvoll aus Sicht des Infektionsschutzes: Zum Beispiel der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin geht davon aus, dass die Ansteckungsgefahr draußen geringer ist, als in Innenräumen.

Mehr Plätze draußen, weniger drinnen

Für Till Riekenbrauk, Geschäftsführer eines Brauhauses in Köln, würde die Biergartenvergrößerung im besten Fall heißen, 10 bis 20 Prozent mehr Plätze draußen als bisher anbieten zu können. Für ihn bedeutet das aber allenfalls eine gewisse Kompensation im Vergleich zur Zeit vor der Coronakrise.

Denn im Innenraum fehlen Plätze, auch kommen zurzeit keine Gruppen und Gesellschaften. Die Alternative ohne Parkplatz wäre für ihn allerdings schlimmer: Dann hätte er noch weniger Biergarten-Plätze als bisher.

″Wir erfahren in der Krise ganz viel Solidarität.″
Till Riekenbrauk, Geschäftsführer eines Brauhauses in Köln

Till Riekenbrauk begrüßt die Möglichkeit, Parkplätze als Biergarten nutzen zu dürfen. ″Selbst an den kühleren Tagen haben sich die Gäste lieber draußen hingesetzt″, sagt er.

Verständnis von Autofahrern erhofft

Und er hofft auf Verständnis der Autofahrer, die dann womöglich etwas länger einen Parkplatz suchen. Die Gastronomie sei schließlich eine der Branche, die von der Coronakrise am härtesten getroffen wurde und für viele Menschen aber so wichtig sei.

″Das hat allen noch mal gezeigt, wie wichtig Gastronomie für die Freizeitgestaltung und für das soziale Leben ist", sagt Till Riekenbrauk. "Alle wären traurig, wenn es danach diese Vielfalt nicht mehr gäbe."