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Wegen des Themas "Klimawandel" und der Fridays-For-Future-Demos war es für viele erwartbar, dass die Grünen bei jungen Wählerinnen und Wählern gut abschneiden. Doch auch die FDP hat viele Stimmen in derselben Altersklasse bekommen: Je 23 Prozent der Erstwählenden machten ihr Kreuz bei den Grünen und bei der FDP, klar vor der SPD mit 15 Prozent.

Die Präferenz für Grüne und FDP bei den jungen Menschen ist einerseits der starke Wunsch nach einer "lebenswerten Zukunft mit Visionen", sagt Jugendforscher Simon Schnetzer, der seit 2010 die Studie "Junge Deutsche" veröffentlicht. Gleichzeitig drücke sich in diesem Wahlergebnis aber auch die Unzufriedenheit damit aus, dass die Regierung in der Corona-Pandemie junge Menschen "relativ konsequent vernachlässigt" habe.

"In der Pandemie haben sich junge Menschen von der Regierung überhaupt nicht gehört gefühlt."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

"Digital-Desaster" für die Bildung

Das Arbeitsleben sei aufrechterhalten worden, die Bildung dagegen wurde in die eigenen vier Wände verbannt und in ein "Digital-Desaster" gestürzt, so der Jugendforscher. Viele junge Menschen hätten sich gewünscht, dass ihnen nicht nur Dinge von oben verboten werden, sondern dass ihnen mehr zugehört wird und dass ihre Bedürfnisse wahrgenommen werden. Sie wollten beteiligt werden, so Simon Schnetzer.

Klimathema nicht von den Grünen abonniert

Das Klimathema wiederum sei nicht allein von den Grünen gepachtet worden. Wer sich für Klimaschutz stark mache, hätte also jetzt nicht automatisch gesagt: Okay, da muss ich grün wählen – und auf keinen Fall die FDP. Unterschiede seien aber schon zu sehen: So seien die jungen Menschen, die grün gewählt haben, eher weiblich und an sozialen Themen interessiert. Von der FDP erhoffen sich viele junge Wähler*innen ein Wohlstandsversprechen für die Zukunft, sagt der Jugendforscher.

"Das Thema Wohlstand spielt jetzt eine ganz wichtige Rolle. Und da fühlen sich ganz viele eben auch von der FDP angesprochen."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Erfolgreicher Social-Media-Wahlkampf

Um in die Informationsblasen junger Menschen überhaupt hineinzukommen, seien die sozialen Medien heute unverzichtbar. Und sowohl die Grünen als auch die FDP hätten sie gut bespielt, sagt Simon Schnetzer. Beide Parteien hätten ein sehr junges Team und auch junge Kandidatinnen und Kandidaten. Das komme an, wenn man authentisch und auf Augenhöhe mit der Zielgruppe ins Gespräch kommen möchte.

Auch im Ausland interessierten sich die Menschen dafür, welche Parteien bei der Jugend Deutschlands ankommen. Gerade die Rolle der FDP werde dort beobachtet, so der Jugendforscher. Ob die Beliebtheit der Liberalen bei den jungen Wählern Bestand hat, müsse sich jetzt noch zeigen. Das habe entscheidend damit zu tun, ob sie an die Regierung kommt und wie sie dann Verantwortung übernimmt. Das Potenzial, sich zu etablieren, sei aber da.