Im Schlaf Geld verdienen - wer möchte das nicht? Auf Social Media erklären viele, die sich selbst als Influencer bezeichnen würden, wie einfach das angeblich sein soll. Aber stimmt das überhaupt? Der Finanzjournalist Nicolas Lieven schätzt ein, was funktionieren kann und welche Verdienstmöglichkeiten eher unrealistisch oder riskant sind.

Ein Klassiker für passives Einkommen sind Mieteinnahmen, sagt Finanzjournalist Nicolas Lieven. Aber eine Wohnung oder ein Haus kauft man nicht eben mal so. Die Wohnung muss man dann schon zuvor von der Großtante erben oder erst einmal viel und lange arbeiten, um sich das Kapital aufzubauen, um sich anschließend den Wohnungskauf leisten zu können. Das Gleiche gilt auch, wenn wir in Fonds oder Kryptowährung investieren wollen, sagt Nicolas Lieven.

Zudem gebe es inzwischen auch so viele verschiedene Kryptowährungen auf dem Markt, dass es unwahrscheinlich sei, dass man gerade die eine finde, die jetzt noch vergleichsweise günstig sei und in den nächsten Jahren eine große Wertsteigerung erfahre. Gerade bei Kryptowährungen verdienten eher diejenigen daran, die diese herstellen und auf den Markt werfen würden, weil viele sie dann - in der Hoffnung, viel daran zu verdienen -, kaufen würden.

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Wer den Wunsch hat, sich nebenher etwas dazu zu verdienen, der kann sich zunächst einmal fragen, ob er oder sie möglicherweise ein gewisses Expertenwissen auf einem speziellen Gebiet hat. Bestenfalls sind das Informationen, nach denen möglicherweise auch viele andere im Netz suchen. Ein Brite, der zu Hause Zierfische züchtet, hatte sich vor einigen Jahren dazu entschieden, einen Blog mit Rezensionen zu Aquarien einzurichten und diesen mit sogenannten Affilate-Links zu versehen.

Viele, die sich selbst im Netz zu diesem Thema informieren wollten, stießen auf diesen Blog. Sobald einer der Blog-Leser über die weitergeleiteten Links ein Aquarium gekauft hatte, erhielt auch der Blogger einen kleinen Bonus, der auf sein Konto überwiesen wurde. Somit hatte dieser Aquarien-Blogger eine ungeahnte Nische besetzt und verdient inzwischen umgerechnet rund 700 Dollar im Monat dadurch. Sein Hobby wurde damit unverhofft zum lukrativen Nebenverdienst.

Expertenwissen, Herzensprojekt oder Hobby monetarisieren

Andere schreiben ein Buch, weil sie zuvor danach gesucht haben und genau das, was sie haben wollten, nicht finden konnten. Eine PR-Fachfrau und eine Stadtführerin, die miteinander befreundet sind, wollten ihren Kindern einen Stadtführer schenken, der die Geschichte ihrer Heimatstadt in Form von Märchen und Legenden erzählt.

Als sie nicht fündig wurden, haben sich die beiden Frauen kurzerhand dazu entschieden, dieses Buch einfach selbst zu schreiben. Viele Buchhandlungen dieser Stadt, auch am Bahnhof und Flughafen, und der offizielle Souveniershop der städtischen Tourismusorganisation nahmen das "Kölner Märchenbuch" bald nach dem Erscheinen in ihr Sortiment auf.

"Was mich richtig nervt, sind diese Marktschreier: Mit diesen Wertpapierengeschäften werdet ihr über Nacht reich. Da gibt es bestimmte Wertpapiere - CFDs werden da oft beworben, damit verlieren 80 Prozent der Leute ihr Geld. Wenn ihr das hört: Finger weg."
Nicolas Lieven, Finanzjournalist

Andere schreiben einen Leitfaden oder eine Kurzzusammenfassung eines Romans oder eines Fachbuchs und stellen die Texte im Netz für einen kleinen Betrag als Download zur Verfügung. Das einzelne Exemplar kostet wenig, deswegen lohnt sich dieser Nebenverdienst erst, wenn viele Menschen den Text lesen wollen und ihn herunterladen.

E-Books gibt es inzwischen massenhaft. Wer das nachmachen möchte, muss etwas finden, was bisher noch nicht geschrieben oder womit der Markt noch nicht überflutet wurde, um damit ein wenig Geld verdienen zu können. Inzwischen ist das nicht mehr so einfach wie noch vor einigen Jahren, aber auch nicht ausgeschlossen.

So passiv, wie es in vielen Youtube-Videos und auf den sozialen Medien oft dargestellt wird, ist passives Einkommen oft gar nicht, sagt Nicolas Lieven. Bevor wir unser Hobby oder Wissen zu einem speziellen Thema zu Geld machen können, müssen wir genau planen.

Das ist exemplarisch für viele Arten von passiven Einkünften. Zuerst muss man in der Regel ziemlich aktiv sein, sagt Nicolas Lieven. Das heißt, Ideen, Zeit und Arbeit investieren, um anschließend passive Einkünfte zu generieren.