Besonders viel Fruchtfleisch, wenig Wasser – das zeichnet die Ketchuptomate aus. Die Idee zu der konventionellen Züchtung hat das Europäische Patentamt patentiert. Kritiker sagen, Natur könne man gar nicht patentieren. Jetzt ist das Patentrecht neu geregelt worden.

Bis heute hat die Europäische Patentorganisation (Epo) in München 80 Patente auf konventionelle Züchtungen erteilt. Dabei werden ähnlich der natürlichen Auslese die Pflanzen weiter gezüchtet, die die gewünschten Eigenschaften besonders stark aufzeigen - wie zum Beispiel eine Ketchuptomate mit viel Fruchtfleisch und wenig Wasser. 

Konventionelle Züchtung

Wissenschaftler haben herausgefunden, welche Gene bei der Tomate für die Wassereinlagerung zuständig sind. Gezüchtet wurden also Tomaten, die besonders wenige dieser Gene haben. Bei der konventionellen Züchtung werden Gene auf natürliche Weise hinein- oder herausgezüchtet und nicht durch Gentechnik verändert.

Patentiert hat die Epo die Idee und den Plan zur Durchführung dieser Ketchuptomaten-Züchtung – nicht die Tomate an sich. Trotzdem steht die Patentpraxis der Epo für ihre Patentvergabe bei konventionellen Züchtungen in der Kritik. Natur ist nicht patentierbar, sagen die Gegner.

"Dann haben sie solange gekreuzt und ausgewählt, bis genau diese Gene wirklich defekt waren, die Tomate war total schrumpelig und die Ketchup-Hersteller haben "Hurra" gerufen."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Nun soll die Patentvergabe neu geregelt werden. Hinter einer Züchtung sollten immer die Idee eines Wissenschaftlers und ein erkennbarer Plan stecken, um patentierbar zu sein. So eine Idee kann sich ein Wissenschaftler dann von der Epo patentieren lassen. 

Patent vs Open Source

Die Konsequenz daraus ist, sagt Michel Lange, dass die Produkte auch nicht mehr frei zugänglich und handelbar sind. Vor allem aber die großen Saatguthersteller profitieren von der Regelung, weil sie die finanziellen Mittel für Molekularbiologie und gentechnische Verfahren haben. Für kleinere Hersteller wird das schwieriger.

"Durch die Hintertür kommt ein Vorteil für die großen Hersteller heraus."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Die Gegner wenden sich vor allem gegen diese Monopolisierung der Saatguthersteller. Als Verbraucher haben wir keine Möglichkeit zu unterscheiden, ob ein Produkt durch eine konventionelle Züchtung entstanden ist, weil es keine Kennzeichnungspflicht gibt.