Mit einer Patientenverfügung regelt ihr, was mit euch geschehen soll, wenn ihr krank seid aber euren Willen nicht mehr artikulieren könnt. Dabei kommt es auf die richtigen und präzisen Formulierungen an, damit die Ärzte auch entsprechend unseres Willen handeln können.

Der Bundesgerichtshof hat heute beschlossen, dass Patientenverfügungen genau und konkret sein müssen, damit die Ärzte sich genau an die Vorgaben halten können. Die Anforderungen gehen soweit, dass wir, wenn wir schon eine bestimmte Krankheit haben, genau ausformulieren sollen, was in diesem und jenem Zustand mit uns passieren soll. Im konkreten Fall geht es um eine Frau, die seit einem Hirnschlag per Magensonde ernährt wird und nicht mehr sprechen kann. In zwei Patientenverfügungen hatte sie erklärt, dass sie im Fall eines Gehirnschadens keine "lebensverlängernden Maßnahmen" in Anspruch nehmen möchte. Die Frau hat drei Töchter. Zwei der Töchter sehen die Situation so, dass die Geräte abgeschaltet werden sollen, die die Frau am Leben halten. Eine Tochter sieht das anders. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass sich aus dieser Patientenverfügung kein Sterbewunsch ableiten lässt.

Wenn wir unsere Patientenverfügung anfertigen, müssen wir so konkret wie möglich formulieren, was in welchem Fall mit uns passieren soll. Das Ganze können wir einfach auf ein weißes Blatt Papier schreiben, sagt unsere Rechtsexpertin Gigi Deppe, Hauptsache ist, dass wir das Wort "Patientenverfügung" darüberschreiben. "Es ist wichtig, dass man alle Fälle bedenkt. Darum ist es gut sich auf dem Markt umzuschauen und zu gucken, was es für Formulare gibt."

"Es muss wirklich sichtbar sein, derjenige hat sich damit beschäftigt und hat das durchdacht. Ich habe das vielleicht sogar mit meinem Arzt besprochen, der hinterher seinen Namen unter das Papier setzt."
Gigi Deppe über die Patientenverfügung

Darum sollten wir eine Patientenverfügung haben

Für den Fall der Fälle sollten wir unsere Freunde oder Familienmitglieder darüber informieren, dass es so ein Dokument gibt und wo sie es finden. Gigi Deppe rät dazu, dass wir uns so früh wie möglich mit dem Thema beschäftigen. Das kann auch schon jetzt, mit Ende 20, Anfang 30, der Fall sein. "Ein Unfall ist schnell passiert, zum Beispiel ein Motorradunfall. Schlaganfälle gibt es auch bei jüngeren Leuten." Es lohnt sich übrigens auch, dass wir mit unseren Eltern darüber sprechen. Denn irgendwann sind wir, als Kinder, in der Pflicht zu handeln.

"Es geht manchmal schneller als uns lieb ist, dass eine Situation der Hilflosigkeit entsteht. Darum kann ich nur jedem empfehlen, sich damit zu beschäftigen."
Gigi Deppe erklärt, warum es nie zu früh ist, eine Patientenverfügung anzufertigen