Gegen Fake News im Netz und politischen Alltag gibt es nur ein Rezept: die Wahrheit. Genau deshalb hat der Journalist Patrick Gensing den "Faktenfinder" ins Leben gerufen. Ein Gespräch über den Kampf für die Werte der Demokratie.

Patrick Gensing ist Journalist, Buchautor und Nachrichtenredakteur bei tagesschau.de. Dort leitet er seit 2017 die Redaktion "ARD-Faktenfinder". Zum Thema hat er jetzt auch ein Buch geschrieben: "Fakten gegen Fake News oder: Der Kampf um die Demokratie".

Falsche Vorbilder

In Europa und auch in Deutschland tobt eine Art ideologische Propagandaschlacht. Falsche Vorbilder gefährden die Demokratie mit gezielter Desinformation und Fake News, sagt Patrick Gensing. Dadurch vertiefe sie die Spaltung der Gesellschaft. Sein Buch beginnt er mit einem konkreten Beispiel: "Angela Merkel hofft auf 12 Millionen Einwanderer".

Diese Schlagzeile ging Anfang 2017 durchs Netz und sorgte für Aufsehen. Dahinter steckte eine Art "stille Post", berichtet der Journalist. Im März 2017 war die Schlagzeile unter anderem von der österreichischen Zeitung "Wochenblick" veröffentlicht worden. Diese bezog sich auf die britische Zeitung "Express", die wiederum ein "geheimes Dokument" als Quelle nannte.

Gezielte Falschmeldungen

Was zunächst skandalös und empörend klang, erwies sich als eine gezielte Falschmeldung, als ein irreführender Inhalt, so Gensing. Es habe zwar einen wahren Kern gegeben, eine Zahl. Doch der Kontext sei völlig falsch gewesen:

Die Zahl sei eine Prognose der Regierung gewesen, wie viele Flüchtlinge kommen könnten, erklärt er. Dabei gab es laut ihm eine Mindest- und eine Höchstzahl. Manche Medien hätten diese Höchstzahl dann genommen und hochgerechnet auf die nächsten 40 Jahre. Dabei sei bekannt, dass Migration sehr starken Schwankungen unterworfen ist. Dass Merkel sich diese – konstruierte – Zahl dann auch noch "erhoffe", sei "in dieser Form gelogen", so der Leiter des ARD-Faktenfinders.

"Zahlen besitzen eine Aura des Faktischen"

Gerade Zahlen hätten eine "Aura des Faktischen". Sie klängen direkt nach etwas Greifbarem. Ohne Kontext seien sie aber im Prinzip überhaupt nichts wert. Von daher eigneten sie sich gut, um bestimmte Stimmungen zu schüren.

"Fake News ist zum Kampfbegriff geworden. Trump nutzt ihn für alles, was ihm nicht gefällt."
Patrick Gensing, Leiter des ARD-Faktenfinders

Gerade der Begriff "Fake News" sei sehr schwammig, sagt der tagesschau.de-Redakteur. Außerdem sei er inzwischen zum Kampfbegriff geworden: Donald Trump etwa benutze den Begriff für alles, was ihm nicht gefällt.

Hier findet ihr die Übersichtsseite der "ARD-Faktenfinder".

Und hier eine Auswahl von ARD-Faktenfinder-Artikeln von Patrick Gensing: