Die Masse der Pegida-Demonstranten ist sehr heterogen, größtenteils männlich und teilt sich grob in zwei Lager: Mitläufer und Rechtsextreme.

Sozialwissenschaftler aus Berlin und Chemnitz haben die Pegida-Demonstration vom 12. Januar 2015 untersucht, beobachtet und Demonstranten befragt. Erste Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Untersuchung haben die Wissenschaftler am 19. Januar veröffentlicht.

Beobachtungen in der Menge

Die Wissenschaftler haben sich in Teams unter die Demonstranten begeben und haben Handzettel verteilt. Die Mehrheit der Angesprochenen habe allerdings die Annahme der Zettel oder Gespräche verweigert, berichten die Forscher in ihrer Pressekonferenz. An der Online-Befragung haben sich nur 123 Personen beteiligt - eine mit 18,4 Prozent extrem niedrige Rücklaufquote.

Vor allem männliche Teilnehmer

Gleichzeitig haben die Teams die Demonstranten beobachtet, erklärt Piotr Kocyba. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der TU Chemnitz fasst die Beobachtungen der Teams zusammen: Die Demonstranten bilden keine einheitliche Masse, es gibt nicht den typischen "Pegida-Demonstranten". Die Demonstranten nehmen meist in Gruppen an den Demonstrationen teil, sagt Piotr Kocyba. Diese Gruppen bestehen zum größten Teil aus Männern. Frauen nehmen meist nur als Partnerinnen von Demonstranten teil.

"Es sind vor allem Männer, die kommen. Je jünger das Publikum, desto männlicher ist es."
Piotr Kocyba, wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Chemnitz

Deutlich zu beobachten sind Gruppen, die sich eindeutig durch ihre Kleidung oder ihr Auftreten sich der rechten oder der Hooligan-Szene zuordnen lassen. Daneben demonstrieren Gruppen aus Rentner oder Angestellten, beschreibt Piotr Kocyba.

"Es ist eine sehr bunte Mischung, die vor allem zusammengehalten wird von Frust über Politik."
Piotr Kocyba, wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Chemnitz

Die Masse der Demonstranten wiederum lässt sich grob in zwei Lager teilen, erklärt Piotr Kocyba. Die Teams berichten von einem Teil der Demonstration, der sich sehr freundlich und friedlich gibt oder sich einfach diszipliniert verhält. Der andere Teil sei dagegen eher angespannt, aggressiv und skandiere ausländer-, politik- und medienfeindliche Parolen.

"Eines ist klar: Es sind nicht alle Rechtsextreme."
Piotr Kocyba, wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Chemnitz

Die gemäßigten Demonstranten tragen die antidemokratischen oder rassistischen Parolen dadurch mit, dass sie sich von den radikaleren Demonstranten nicht distanzierten. Gleichzeitig werden von ganz bestimmten Gruppen oder Demonstranten eindeutig rechtsextreme Symbole hochgehalten wie die Fahne des Vierten Reiches oder die der xenophoben und islamophoben Nationalisten.

"Gerade wenn es um den Islam geht, kommen Parolen, die schon an Volksverhetzung grenzen."
Piotr Kocyba, wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Chemnitz

Erst am 14. Januar präsentierte die Universität Dresden eine Studie über die Pegida-Demonstranten und ermittelte dabei den typischen Pegida-Demonstranten: 48 Jahre alt, männlich, konfessions- und parteilos. Die rein quantitative Untersuchung der Uni Dresden ist unter anderem von Stefan Niggemeier kritisiert worden.

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