Manche Menschen können ewig warten – auf eine Nachricht, einen Rückruf, darauf, dass der andere zur Verabredung erscheint. Und dabei merken sie nicht, dass sie den Respekt vor sich selbst verlieren. So wie die Protagonistin in Marie Darrieussecqs Buch "Man muss die Männer sehr lieben".

Solange ist verliebt - und sie braucht den Rat ihrer Freundin Rose. Es gibt da diesen Mann, ein Schauspielkollege, Kouhouesso, mit dem hat sie geschlafen. Solange ihn bei einer Hollywoodparty abgeschleppt. Sie glaubt, dass es ihm auch gefallen hat – doch dann ruft er nicht an. Und wenn er es dann doch tut, lässt er sie zappeln. Was macht man da?

"Das Warten ist eine Krankheit. Eine Geisteskrankheit. Tritt häufig bei Frauen auf."
Solanges Freundin Rose über wartende Frauen

Ihre Freundin Rose rät Solange, Kouhouesso zu vergessen. Solange will davon nichts wissen. In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten wird kein Tag vergehen, an dem sie nicht auf ihn wartet. Dafür vernachlässigt Solange ihre Freunde und ihren Job - weil sie nie weiß, wann Koulouesso kommt. Wenn er sich zwölf Tage lang nicht meldet und sie dann ungläubig fragt, wieso sie sich nicht gemeldet hätte, dann lächelt Solange: Warten lohnt sich.

"Man muss die Männer sehr lieben. Sehr, sehr. Sehr lieben, um sie lieben zu können. Sonst ist es nicht möglich, sonst kann man sie nicht ertragen."
Die französische Schriftstellerin Marguerite Duras

Kouhousse kriegt von dem Skrupel seiner "Freundin" nicht viel mit. Er will in den Kongo, einen Film machen. Wenn Solange bei allem dabei ist, freut er sich. Solange wird erst aufhören zu warten, wenn sie sich selbst vergessen hat. Irgendwo im Kongo.

"Man muss die Männer sehr lieben" von Marie Darrieussecq ist im Carl Hanser Verlag erschienen.