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Extreme Stimmungsschwankungen, Hormone und echter Hunger: Mit der Lutealphase ist nicht zu spaßen, weiß Vanessa. Wir versuchen, beim Wissen über den weiblichen Zyklus etwas aufzuholen. Also: Tschüss Östrogen und hallo Progesteron!

Mindestens ein wenig aggro, manchmal auch im harten Fuck-off-Mode und plötzlich wieder happy: Vanessas Stimmung in der Lutealphase – also kurz vor der Menstruation – schwankt manchmal heftig. Sie ist Anfang 20, arbeitet als Model und Content-Creatorin und sagt über ihre zyklusbedingte Stimmung: "Es ist schon sehr belastend und einschränkend in dem Moment."

Vor einigen Jahren hat sich Vanessa von ihrem Freund getrennt und die Pille abgesetzt. Seitdem trackt sie ihren Zyklus. Sie fühlt sich seitdem viel energetischer, lebensfroher und anwesender.

"Ich weiß dann direkt, jetzt bin ich in der Lutealphase oder so kurz vor der Periode. Es ist dann immer eine sehr, sehr wilde Zeit."
Vanessa, Model und Content-Creatorin

In der Lutealphase geht es für sie emotional krass auf und ab. "Eine Woche vor meiner Periode fängt es schon an, dass ich Schmerzen habe", sagt sie. Morgens kann Vanessa vielleicht noch hochmotiviert starten, aber das Mittagstief wirft dann manchmal den ganzen Tagesplan über den Haufen. "Das ist ein Mix aus happy, dann wütend und sauer. Aber irgendwie gibt es keinen Grund. Auf was soll ich sauer sein?", so beschreibt sie diese Stimmungsschwankungen.

Jede Zehnte von PMS betroffen

Etwa zwei Drittel der Frauen in Deutschland leiden unter den Begleiterscheinungen ihrer Periode. Das kann auch leichte Schmerzen bedeuten. Etwa 10 Prozent der Frauen haben das prämenstruelle Syndrom – kurz PMS. Das ist eine Mischung aus unterschiedlichen Beschwerden und Symptomen. Es ist auch eine Fremdzuschreibung, findet die Gynäkologin Mandy Mangler.

"PMS bedeutet halt, dass Menschen sich ärgern, weil Frauen nicht so führbar sind, wie sie sonst sind, und nicht so lieb und freundlich."
Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Gynäkologin beschreibt, was PMS alles bedeuten kann: eine größere Anfälligkeit für Schlafentzug, unregelmäßige Ernährung – bis hin zu Heißhungerattacken, forsches Verhalten oder auch erhöhte Streitbereitschaft.

Tschüss Östrogen, hallo Progesteron!

Hormonell beschreibt sie die Lutealphase so: "In der zweiten Zyklushälfte ist das Progesteron ein bisschen höher und das Östrogen im Vergleich niedriger. Und Östrogen ist dieses 'Liebhormon', das uns letztendlich so freundlich macht.

"Als Gynäkologin finde ich das schon auch pathologisch, dieses ganze Freundlichsein. Ich finde das viel besser, wenn wir ein bisschen forscher sind."
Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, über den weiblichen Hormonhaushalt und seine Effekte

Mandy Mangler rät Betroffenen, darauf zu achten, ob die Lebensqualität durch PMS-Symptome stark beeinträchtigt wird. Von PMS gibt es auch noch eine stärkere Version. Betroffene sollten sich unbedingt medizinisch beraten lassen.

Beim Allgemeinwissen über die Menstruation gibt es noch viel Nachholbedarf, findet Tiffany Jacob. Sie ist psychologische Psychotherapeutin, berät Frauen zum Thema Zyklus und arbeitet momentan als stellvertretende Chefpsychologin einer Psychiatrie in der Schweiz. "Viele Frauen lernen nicht, was biologisch oder hormonell passiert und was das entsprechend psychologisch und im sozialen Kontakt und so weiter bedeutet", sagt sie.

"Die meisten Frauen wissen das nicht, verstehen auch die Zusammenhänge nicht. Woher auch: Es wurde uns ja auch nie so beigebracht."
Tiffany Jacob, psychologische Psychotherapeutin

Sie erinnert daran, dass der Körper in der Lutealphase, also in der zweiten Zyklushälfte vor der nächsten Menstruation, davon ausgeht, dass im besten Fall eine Eizelle befruchtet wurde und eine Schwangerschaft eintritt, und nennt folgende mögliche Effekte:

  • erhöhter Kalorienbedarf
  • Gefahrenradar maximal hoch ausgeprägt
  • Verlustängste
  • Eifersuchtsgefühle
  • große Krisen oder Streitpunkte
"Frauen wird häufig beigebracht, das läuft so nebenbei und dann musst du halt durch. Und Schmerzen sind sowieso normal. Und wir können alles, auch während wir bluten."
Tiffany Jacob, psychologische Psychotherapeutin

Der tradierte Umgang mit dem Periodenzyklus fördert ihrer Einschätzung nach die Tendenz, "dass wir eigentlich Signale unseres Körpers übersehen, nicht hinhören, über eigene Grenzen gehen und den Preis mit entsprechenden Symptomen wie Schmerzen, PMS oder anderen Dingen bezahlen."

In manchen Fällen stehen Stimmungsschwankungen auch im Zusammenhang mit dem erhöhten Kalorienbedarf in der Lutealphase. Werde der ignoriert, zeige sich das in wilden Schwankungen des Blutzuckerspiegels.

"Die Tendenz ist groß, dass dann das Hungergefühl ignoriert wird, was den Blutzuckerspiegel Achterbahn fahren lässt und einen super Boden für Stimmungsschwankungen, Genervtsein und andere Symptome gibt."
Tiffany Jacob, psychologische Psychotherapeutin

Gegen Period Rage können erfahrungsgemäß folgende Fragen helfen: "Was ist mein Ventil? Wie kann ich diesen Überdruck, der in meinem System entsteht, rauslassen?", sagt Tiffany Jacob.

"Wir sind nicht unbedingt dafür gemacht, alleine durch die Welt zu gehen."
Tiffany Jacob, psychologische Psychotherapeutin

Das könne vom kreativen Ausdruck – Tanzen, Malerei, Zeichnen, Musizieren, Singen – über Bewegung und ausreichende Ernährung bis hin zu guter Gesellschaft und sozialem Kontakt reichen.

Vanessa hat diesen Weg schon gefunden. Ihre Freunde kennen ihre Fuck-off-Variante bereits. Vanessa sagt: "Ich habe zum Glück gute Freunde an meiner Seite, und wenn ich sage: 'Leute, ich bin kurz vor meiner Periode' oder 'ich habe gerade meine Tage.' Dann wissen die Bescheid und haben sehr viel Verständnis und sehr viel Geduld."

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Shownotes
Period Rage
Wie gehe ich mit meiner PMS-Wut um?
vom 29. April 2026
Gesprächspartnerin: 
Vanessa, Model und Influencerin, ist vor ihrer Periode im "Rage Modus"
Gesprächspartnerin: 
Mandy Mangler ist Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, lehrt am Studiengang Hebammenwissenschaft der Evangelischen Hochschule Berlin und sitzt der Gesellschaft für Gynäkologie vor 
Gesprächspartnerin: 
Tiffany Jacob, Psychologische Psychotherapeutin, Gründerin von Mind your Cycle, einem Workshop, um den weiblichen Zyklus besser zu verstehen
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Yevgeniya Shcherbakova, Jana Niehof, Friederike Seeger, Anton Stanislawski 
Produktion: 
Gunda Herke
Quellen:
  • Laut einer Umfrage des AOK-Bundesverbands aus dem Jahr 2024 leiden 67 Prozent der Frauen in Deutschland unter Regelschmerzen.
  • AOK-Bundesverband. (2024, 26. September). AOK-Umfrage: 67 Prozent der Frauen in Deutschland leiden unter Menstruationsschmerzen. aok.de
  • Döring, A. K., & Götze, H. (2021). Menstruationsbeschwerden und psychische Belastung: Eine Befragung von Frauen im gebärfähigen Alter. Prävention und Gesundheitsförderung, 16(3), 221–227. doi.org. Der Verweis im Text erfolgt durch (Döring & Götze, 2021) oder narrativ durch Döring und Götze (2021).