98 Prozent der Vierjährigen wissen bereits, dass man nicht stehlen darf. Spätestens mit sechs bis acht Jahren haben etwa 90 Prozent aller Kinder gelernt, dass man auch helfen und teilen sollte. Wie entwickelt sich der Wille bei Kindern? Und was genau passiert da?

Die Entwicklungspsychologin Gertrud Nunner-Winkler von der Ludwig-Maximilians-Universität München erforscht das kindliche Wollen und Wissen. Wer die Süßigkeit des Nachbarkindes haben möchte, muss notfalls stehlen - doch gegen diese Handlung sprechen die erlernten Worte der Erwachsenen.

"Schon von Anbeginn an sind Säuglinge zu Willensäußerungen fähig. Das heißt, sie können intentionale und zielgerichtete Handlungen ausführen."

Wie entwickelt sich der Wille beim Kind - vom Säugling bis zum erwachsenen Menschen? Nunner-Winkler sprach dazu am 2. April 2014 auf einem Symposion der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg und dem Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung Lübeck. Zum Vortrag gehört auch der Aspekt, wenn junge Menschen schwierige Willensentscheidungen treffen müssen: zum Beispiel, ob ein Geschwisterkind für ein anderes Knochenmark spenden sollte.

Im zweiten Vortrag schilderte Dieter Sturma von der Universität Bonn, was die Neurowissenschaften zur Willensforschung beitragen können.

"Im Normalfall weiß ich, ob ich etwas auf den Boden werfe. Oder ob mir etwas entgleitet und auf den Boden fällt."

Die von der Volkswagenstiftung in Hannover geförderte Fachtagung stand unter dem Oberthema "Randzonen des Willens. Entscheidung und Einwilligung in Grenzsituationen der Medizin."