Drei Milliarden Kaffeebecher werfen wir jedes Jahr weg - das muss sich ändern, sagen Initiativen in einigen Städten und führen Pfandsysteme ein.

Wir trinken ihn auf dem Weg zur Arbeit, beim Bummeln durch die Stadt oder in der Mittagspause, wenn wir einfach nicht anders wieder wach werden: Coffee-to-go - Kaffee zum Mitnehmen in einem Becher aus Pappe und Plastik, der danach weggeworfen wird. In Deutschland wandern laut der Deutschen Umwelthilfe drei Milliarden dieser Becher in den Müll. Höchste Zeit, dass dagegen etwas unternommen wird. In immer mehr Städten gibt es Pfandsysteme für wiederverwertbare Becher. Ab heute auch in Hamburg.

In Hamburg hat der Kaffeehandel El Rojito die Pfandbecher in Umlauf gebracht. Das Unternehmen handelt seit fast 30 Jahren mit fairem Kaffee und beliefert diverse Cafés in Hamburg. Und ab morgen gibt es in einigen dieser Cafés auch Becher, in denen ihr den Kaffee mitnehmen könnt und den Becher dann eben nicht wegwerft - Re Fill heißt das Ganze.

Beim ersten Kaffee mit dem System zahlt ihr einen Becher für 1,50 Euro und nehmt wahlweise auch den Deckel für noch mal drei Euro dazu. Kaufen müsst ihr den Becher nicht. Ihr könnt ihn einfach am nächsten Tag oder später wieder in eurem Kaffeeladen zurückgeben. Roman Witt ist Teil des Projekts El Rojito und denkt, dass einige Kunden dann auch ihren Becher behalten

"Wir gehen davon aus, dass bestimmt zwei Drittel der Personen den Becher immer wieder nachfüllen lassen, bis er nicht mehr schön ist und dann geht er zu uns zurück und wir statten den Gast mit einem neuen Becher aus."
Roman Witt vom Projekt "El Rojito"

Die elf Cafés, die bei der Aktion mitmachen, liegen relativ verstreut in der ganzen Stadt. Wer also keine Lust hat, den Becher mitzuschleppen, dürfte ihn ziemlich einfach wieder losbekommen. Die Becher bestehen zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und sind biologisch abbaubar. Dabei sieht er aus, wie ein ganz gewöhnlicher Plastikbecher - schwarz mit weißem Aufdruck. Allerdings besteht er nicht aus Plastik, sondern aus Lignin, auch Baumsaft genannt, eine Art Bio-Plastik. Dazu kommen noch ein paar Öle, die allerdings explizit kein Rohöl sind und ein paar Fasern, die den Becher verstärken. 75 Runden soll der Becher in der Spülmaschine aushalten.

Pfandbecher in Hamburg, Berlin, Rosenheim

Und Hamburg ist nicht allein. In Berlin wird gerade in Kreuzberg und Neukölln ein ähnliches Prinzip unter dem Namen Just Swap It bis Ende November getestet. Auch hier gibt es Becher aus umweltfreundlichem Material für vier Euro zu leihen und wieder zurückzugeben, wenn ihr das wollt. In Rosenheim geht auch heute das System Re Cup an den Start, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert.

Andere Cafés in einigen Städten arbeiten nach dem System, dass ihr Rabatt bekommt, wenn ihr euren eigenen Coffee-to-go-Becher mitbringt. Das Problem dabei: Ihr müsst immer euren eigenen Becher dabei haben. was natürlich auch nicht immer der Fall ist, wenn ihr unterwegs spontan Lust auf einen Kaffee habt.