Rosenmontag. Der Tag, an dem die großen Umzüge durch deutsche Städte ziehen: Narren, Wagen und Pferde. Und um die wird heftig gestritten. Tradition oder Tierquälerei? Und was ist mit der Sicherheit? In diesem Jahr bleiben die Pferde in den Karnevalshochburgen Köln, Mainz, Düsseldorf und Bonn im Stall. Aus Sicherheitsgründen wegen einer Sturmwarnung. Aber die Diskussion bleibt. 

Ist es gefährlich, Pferde auf einem Karnevals- oder Faschingsumzug mitlaufen zu lassen? Diese Frage kann Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nora Hespers nicht so einfach beantworten. Sie ist selbst Reiterin und sagt: Es kommt auf das Wesen des Pferdes an. Und auf das Training. Polizeipferde zum Beispiel müssen sehr viel aushalten. Sie werden speziell für den Einsatz in Menschenmengen ausgewählt, müssen also sehr nervenstark sein. Und dann absolvieren sie noch ein besonderes Training, erklärt Melanie Lippe. Sie ist Leiterin der Landesreiterstaffel der Polizei Nordrhein-Westfalen.

"Die Pferde werden an ungewöhnliche Gegenstände gewöhnt, wir machen dieses sogenannte Scheutraining mit Fahnen, mit Geräuschen, mit Dingen, die auf dem Boden liegen: Luftballons, Planen, später nehmen wir auch Böller dazu oder Rauchbomben, die wir in die Ausbildung mit einbeziehen."
Melanie Lippe, Leiterin der Landesreiterstaffel der Polizei Nordrhein-Westfalen

Grundsätzlich können Pferde also lernen, mit ungewöhnlichen Stressfaktoren umzugehen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist aber: Vertrauen zum Reiter. Polizeipferde haben eine feste Bezugsperson. Die Reiterin oder der Reiter kennt sein Pferd und umgekehrt. Gerade in Stresssituationen ist das ein ganz wichtiger Faktor, damit sich das Pferd sicher fühlt.

Leihpferde im Karneval

Bei Karnevalspferden sieht die Sache anders aus: Hier laufen in der Regel Leihpferde mit. Das Traditionskorps Jan van Werth zum Beispiel leiht seit zwei Jahren Pferde aus einem Stall in Grevenbroich. Die Tiere werden auch für Schützenfeste, Trachtenumzüge oder Sankt Martin gebucht. Das heißt: Die Pferde sind Menschenmassen gewohnt, sie kennen das Tamtam - trainieren solche Situationen aber so nicht intensiv wie Polizeipferde. Und sie haben es immer wieder mit verschiedenen Reitern zu tun. 

Reiter und Pferde verbringen definitiv weniger Zeit miteinander als bei der Polizei. Jochen Pöttgen, Pressesprecher vom Reiterkorps Jan van Werth, erklärt, dass nicht jeder bei ihnen aufs Pferd darf. So gebe es zum Beispiel Vorgaben, wie viele Reitstunden die Reiter im Jahr nehmen müssen. 

"Die Reiter haben insgesamt eine Vorgabe vonseiten des Festkomitees von mindestens 35 Reitstunden pro Jahr. Das ist aber tatsächlich eine Mindestzahl. Die meisten haben deutlich mehr Stunden und sind auch angehalten, so viel als möglich auch schon Stunden mit dem Pferd zu verbringen, mit dem sie dann auch an Rosenmontag durch Köln reiten."
Jochen Pöttgen, Pressesprecher Reiterkorps Jan van Werth

Außerdem müssen die Reiterinnen oder Reiter seit vergangenem Jahr mit ihrem Pferd eine Gelassenheitsprüfung absolvieren. Sie wird von einem Richter der Deutschen Reiterliche Vereinigung abgenommen. Trotzdem: 35 Stunden sind natürlich recht wenig verglichen mit täglichem Reiten über mehrere Stunden, wie das zum Beispiel bei der berittenen Polizei der Fall ist, sagt Nora Hespers. 

Wie so eine Gelassenheitsprüfung aussieht, lässt sich im Netz anschauen: Ein Pferd muss zum Beispiel ein Hindernis passieren, an dem plötzlich Luftballons hochfliegen. Oder eine Person läuft mit rappelnden Dosen neben dem Pferd her. Das Problem: Eine Gelassenheitsprüfung ist schnell vorbei, der Kölner Rosenmontagszug bedeutet aber knapp vier Stunden Dauerreiz. 

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Auch deshalb wollen Tierschützer grundsätzlich keine Pferde mehr im Kölner Karneval sehen. Das Festkomitee Kölner Karneval hat darüber auch lange beraten. Aber letztendlich entschieden: Wir wollen weiter Pferde dabeihaben, aber die Rahmenbedingungen deutlich verbessern. Dazu haben sie sich von Willa Bohnet von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover beraten lassen. Sie hat einige Stressoren ausgemacht, die besonders risikoreich sind, sagt Alexander Dieper, Zugleiter des Kölner Festkomitees.

  • starker Lärm
  • zu lange Einsatzzeiten der Pferde
  • unpassende Ausrüstung, unpassende Kutschen oder Geschirre
  • schlechte Gesundheit und Ernährung der Tiere
  • kein Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Reiter oder Pferdebegleiter

All diese Punkte sollen vor Ort kontrolliert werden. 

Reporterin Nora Hespers begrüßt solche Anstrengungen und wertet sie als Verbesserung. Trotzdem bleibt sie bei ihrer Haltung: Pferde auf dem Karnevalsumzug, das muss nicht sein. Weil die Belastung enorm sei und es keinen vernünftigen Grund gebe, das Pferden in dieser Form und in dieser Dauer zuzumuten.