Die App Flora Incognita hilft uns dabei, unser Wissen über Pflanzen zu verbessern: Über die App können wir Wildblumen, Bäume, Gräser und Farn fotografieren und sie sagt uns, was da eigentlich wächst.

Im Park, im Wald oder am Straßenrand laufen wir an ihnen vorbei und kennen viele von ihnen vermutlich trotzdem nicht: Gräser, Sträucher, Blumen und Bäume. Als unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Alexander Werth zum Beispiel die Blätter der Silberpappel beschreiben soll, fehlen ihm die Worte. In Sachen Pflanzenkunde ist bei ihm aus dem Bio-Unterrricht in der Schule kaum etwas hängen geblieben, sagt er.

"Das sind drei Säckchen und da hängen kleine weiße Blüten dran. Ich hab keine Ahnung, was das ist. Ich hab das, glaube ich, noch nie gesehen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Alexander Werth beschreibt Leinkraut

Deswegen probiert Alexander die App Flora Incognita aus. Die App erinnert ihn an Pokémon Go nur eben für Pflanzen. Das Tool erkennt fast 5.000 von ihnen. Forscher*innen der Technischen Universität Ilmenau und des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena haben die App entwickelt.

"Pflanzen bestimmen per App macht richtig Bock. Wie viele unterschiedliche Blumen, Gräser und Bäume es gibt!"
Alexander Werth, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bis zu 5.000 Pflanzen bestimmen

Bevor die App eine Pflanze bestimmt, fragt sie, ob es sich bei dem Gewächs um eine Wildblume, einen Baum, Gras oder Farn handelt. Und dann sollen die Nutzer*innen ein Foto von der Pflanze machen.

Im Anschluss bestimmt die App, welche Pflanze es wahrscheinlich ist und zeigt Infos über sie an, zum Beispiel, ob das Gewächs eine Heilpflanze ist, ob sie giftig oder essbar ist. Gerade in Hinblick auf die Essbarkeit der Pflanze sollte die App sie zu mindestens 80 Prozent richtig erkennen, sagt Botanikerin Stefanie Egeling. Im Zweifelsfall sollte die Pflanze nicht verzehrt werden.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Alexander Werth bestimmt Pflanzen mit der App Flora Incognita.
© Deutschlandfunk Nova | Alexander Werth
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Alexander Werth bestimmt Pflanzen mit der App Flora Incognita.

Manchmal bleibt ein wenig Unsicherheit

Stefanie Egeling arbeitet an der Biologischen Station "Haus Bürgel" und gibt mit der App Führungen durch die Natur. Aus ihrer Erfahrung weiß sie: Die App kann sich auch mal vertun. Besonders dann, wenn eine Pflanze viele ähnlich aussehende Verwandte hat. Ein Großteil der knapp 5.000 Pflanzen, die das Tool erkennen kann, sind Wildpflanzen. Am besten erkennt sie blühende Pflanzen, bei Gräsern ist es schwieriger, sagt die Botanikerin. Pilze, Zimmer- und Zierpflanzen klammert die App aus.

Manchmal bleibt ein Rest Unsicherheit trotz App, sagt Alexander. Das liegt zum Beispiel daran, dass die App direkt am Anfang abfragt, zu welcher Pflanzenkategorie das Gewächs gehört, bevor sie die Pflanze bestimmt.

Pflanzenvielfalt kennenlernen macht Spaß

Generell hat unser Reporter Lust auf mehr bekommen. "Pflanzen bestimmen per App macht richtig Bock", sagt Alexander. Jetzt nimmt er bewusst wahr, was da um ihn herum alles so wächst. Das kann vielleicht eine Motivation sein, die Pflanzen besser zu schützen, damit es sie auch in Zukunft noch gibt, so Stefanie Egeling.

"Wenn man merkt: Ich kenne eine Art. Und irgendwann fällt mir auf: Die wird immer seltener, dann setz ich mich vielleicht eher dafür ein, dass diese Arten erhalten bleiben."
Stefanie Egeling, Botanikerin