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Pflegeberufe werden mies bezahlt und kämpfen mit geringer Anerkennung. Allein 9.000 Pflegekräfte haben im letzten Frühjahr ihren Job hingeschmissen. Trotzdem gibt es Menschen, die diese anspruchsvolle Arbeit leisten. Wir wollten wissen, was sie motiviert und was besser werden muss.

Schichtdienst, körperliche Anstrengung, emotionaler Stress, Überbelastung, Überstunden. Corona verlangt den Pflegenden noch mal einiges mehr ab als das, was sie vorher ohnehin schon geleistet haben. Von Pflegenden, die ihren Beruf wirklich gerne ausüben, hören wir gerade in Pandemie-Zeiten weniger. Von denen, die unzufrieden sind, dafür umso mehr, findet unser Reporter Mathias von Lieben.

Corona legt das Problem in Pflegeberufen offen

Pflegerinnen und Pfleger müssen sich oft zwischen mehreren Patienten zerreißen. Die Gründe: zu wenig Personal, Arbeitsverdichtung, Schichtdienst, Sparmaßnahmen, ein unzureichender Pflegeschlüssel, zu wenig Zeit für die Menschen und schlechte Bezahlung.

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Die Probleme in der Kranken- und Altenpflege sind nicht neu, Corona hat sie noch mal offen gelegt. Trotz Balkon-Klatschen zu Beginn der Pandemie und der Systemrelevanz, viel geändert hat sich nicht, bilanziert unser Reporter.

"Die Probleme in Kranken- und Altenpflege sind lange bekannt. Corona hat sie halt noch mal offen gelegt. Und trotz Balkon-Klatschen und Systemrelevanz hat sich nicht viel geändert."
Mathias von Lieben, Deutschlandfunk Nova

Selbst junge und hoch motivierte Gesundheits- und Krankenpfleger wie Alexander Jorde, der 2017 bekannt wurde, als er Angela Merkel in der ARD-Wahlkampfarena mit seinem Arbeitsalltag konfrontierte, können sich nicht vorstellen, in dem Beruf alt zu werden.

40.000 Pflegekräfte fehlen

Junge Leute, so sagt er, würden den Beruf nach ein paar Jahren hinschmeißen. In anderen Berufen lasse sich bei deutlich weniger Belastung und Stress das gleiche Geld verdienen. Tatsächlich liegt die durchschnittliche Verweildauer in der Krankenpflege bei ausgebildeten Fachkräften bei gerade einmal 7,5 Jahren. Dabei fehlen zurzeit rund 40.000 Pflegekräfte.

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Dennoch gibt es Leute, die den Beruf gerne ausüben. Eine von Ihnen ist die 21-jährige Krankenpflegeschülerin Anika Keil. Sie sagt, Krankenpflege sei ein Job, den man mit dem Herzen machen müsse. Trotz der widrigen Bedingungen wollte sie unbedingt in den Pflegeberuf. Nach dem Abitur hat Anika ein freiwilliges soziales Jahr in einem Krankenhaus absolviert. Das habe ihr unfassbar viel Spaß gemacht. Bei der Arbeit mit Menschen bekomme man viel zurück, sagt sie.

"Die Arbeit mit und für Menschen macht mir unfassbar viel Spaß. Man gibt den Menschen sehr viel, aber man bekommt halt auch super viel zurück."
Anika Keil, Krankenpflegeschülerin

Was nicht zurückkommt: eine faire Bezahlung. Bis vor kurzem mussten Azubis in der Pflegeausbildung sogar das Schulgeld aus eigener Tasche bezahlen. Das Einstiegsgehalt von ausgebildeten Pflegerinnen und Pflegern ist gering. Je nach Träger und Bundesland liegt es derzeit zwischen 2.400 und 2.700 Euro Brutto.

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Eine faire Bezahlung für eine Pflegekraft mit abgeschlossener Ausbildung wäre ungefähr eine Bezahlung, wie sie heute ein Ingenieur bei uns erhalten würde, sagte die Soziologin Ute Klammer kürzlich in der Tagesschau. Die physischen und psychischen Gesamtbelastung und die Verantwortung würden das rechtfertigen. Dann würden Menschen in Pflegeberufen circa 4.000 statt maximal 2.700 Euro Brutto verdienen. Das dürfte den Beruf wohl deutlich attraktiver machen.

Soziale Anerkennung bei der Berufswahl wichtig

Für Anika Keil sei die Bezahlung alleine aber nicht ausschlaggebend. Die Sicht auf ihren Beruf habe sich gerade in der letzten Zeit geändert, sagt sie. Diese soziale Anerkennung des Berufs spielt laut Berufsforschenden für Jugendliche eine besonders wichtige Rolle, so unser Reporter.

Die Soziologin Uta Keil hofft, dass die Pandemie mittelfristig für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege generell sorge – zum Beispiel für mehr Zeit für die Pflegebedürftigen, angenehmere Arbeitszeiten und bessere Bezahlung. Gerade deswegen sei es ja auch wichtig, dass mehr Leute in die Pflege gehen, damit sich in Zukunft etwas ändere, sagt sie.