Sich anderen gegenüber verpflichtet fühlen, geht offenbar nicht nur Menschen so, auch Bonobos kennen das, wie Forschende der Université de Neuchâtel in der Schweiz herausgefunden haben. Entlausen Bonobos zum Beispiel das Fell eines ihrer Buddys, heißt das: "Ich halte zu dir".

Für Affen ist die gegenseitige Fellpflege ein Mittel für soziale Bindung. Um herauszufinden, ob das Pflichtbewusstsein vor allem ein Thema für Menschen ist oder auch für Tiere, hat ein Wissenschaftsteam der Schweizer Université de Neuchâtel die Fellpflege unter Bonobos für ihre Studie beobachtet. Die Affen gelten als sehr soziale Tiere.

"Die Verpflichtung, den anderen zu entlausen, nehmen Bonobos offenbar nicht auf die leichte Schulter."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Insgesamt 17 Bonobos, die in der Zooanlage La Vallée des Singes in Frankreich leben, wurden bei ihrer Fellpflege beobachtet. Für die Studie haben die Forschenden die Bonobos beim Entlausen regelmäßig auf zwei Arten gestört und unterbrochen.

  • Einmal wollten sie die Tiere mit dem Krach eines Schiebetors ablenken. Das Geräusch kennen die Bonobos von ihren Fütterungszeiten. Für sie war es also das Signal: Es gibt Essen.
  • Eine andere Methode der Forschenden war es, die Affen gezielt zu sich herbeizurufen und sie mit Belohnungen wie Möhren oder Rosinen anzulocken.

In beiden Fällen reagierten die Bonobos und haben die Fellpflege unterbrochen. "Futter ist ja auch ein starker Anreiz", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper. Die Ablenkung hielt aber nur kurz an: Nach ein bis zwei Minuten sind 80 Prozent der Affen wieder zurückgekehrt und haben das Fell des anderen Bonobos weiter entlaust. Viele von ihnen haben sogar an derselben Stelle weitergemacht wie vor der Unterbrechung.

Auf den anderen achten

Zudem haben die Forschenden festgestellt, dass die Bonobos eher mit dem Entlausen weitergemacht haben, wenn sie sich um das Fell eines anderen Affen gekümmert haben. Diejenigen unter ihnen, die ihr eigenes Fell gereinigt hatten, haben nach der Ablenkung eher damit aufgehört.

"Entschuldige das Warten"

Dieses Ergebnis gibt deutliche Hinweise darauf, dass Affen gegenüber anderen eine Verpflichtung spüren, schreibt das Wissenschaftsteam. Zumal sie sowohl beim Verlassen als auch bei ihrer Rückkehr in Form von Gesten, bestimmten Gesichtsausdrücken oder Lauten miteinander kommuniziert haben. Wann sie mit ihren Partnern kommuniziert haben, war davon abhängig, was die Unterbrechung ausgelöst hat.

Pflichtbewusstsein in sozialer Interaktion

Hat ein Bonobo seine Partnerin verlassen, weil das Schiebetor geöffnet wurde, haben die Tiere erst viel kommuniziert und waren bei der Rückkehr des Partners stiller. Genau andersherum lief es bei der zweiten Störung ab: Sind die Bonobos wegen der Aussicht auf eine persönliche Belohnung weggelaufen, haben sie das relativ wortlos gemacht und anschließend intensiver mit ihrer Partnerin kommuniziert.

Die Forschenden vergleichen das so: Ertönt bei uns der Feueralarm, entsteht viel Unruhe. Kehren wir zu unserem Platz zurück, entschuldigen wir uns bei den anderen aber nicht. Sitzen wir stattdessen mit jemandem zum Beispiel in einem Café und wir nehmen währenddessen ein Telefongespräch am Handy an, entschuldigen wir uns im Anschluss bei unserem Gegenüber. Bonobos machen das offenbar auch so.