Der Silberkarpfen wurde ursprünglich gezielt aus China in die USA importiert: Er sollte das Algen- und Planktonwachstum in den Fischteichen von Arkansas und Mississippi kontrollieren. Doch jetzt wird er zu einer gewaltigen Bedrohung.

Es war als Unterstützung gedacht: Der Silberkarpfen wurde in den 1970ern gezielt von China in die USA importiert. Er sollte dabei helfen, das Algen – und Planktonwachstum in bestimmten Bereichen zu kontrollieren. Doch inzwischen wird er für heimische Fische, Muscheln und auch Menschen zu einer Bedrohung.

"Ein Silberkarpfen wird bis zu 1,40 Meter lang und bis zu 50 Kilogramm schwer. Das Problem: Er frisst täglich bis zu 40 Prozent seines Eigengewichts an Plankton."
Mario Ludwig, Biologe

Denn ein Silberkarpfen ist ganz schön gewaltig: Mit einer Körperlänge von bis zu 1,40 Metern und einem Körpergewicht von 50 Kilogramm muss so ein Fisch auch viel fressen.

Bis zu 40 Prozent seines eigenen Körpergewichts an Plankton verschlingt ein Silberkarpfen täglich. Damit frisst er den heimischen Fischen und Muscheln die Nahrung weg. Hinzu kommt, dass er in den USA kaum natürliche Feinde zu fürchten hat.

Schnelle und gewaltige Ausbreitung

Das Problem entwickelte sich erst, als die Silberkarpfen bei Hochwasser aus den geschlossenen Systemen der Teichwirtschaft entkamen. Daraufhin gelangten sie in den Mississippi und seine Nebenflüsse. Von dort aus, hat sich der Silberkarpfen mittlerweile in zwölf US-Bundesstaaten ausgebreitet.

Die Eroberung passiert in einer rasanten Geschwindigkeit, sagt Biologe Mario Ludwig: Ein Silberkarpfenweibchen legt bis zu fünf Millionen Eier pro Jahr. Im Illinois River macht der Silberkarpfen bereits mehr als 90 Prozent des Fischbestandes aus.

Bekämpfung nicht leicht

Die USA versuchen mit allen Mitteln gegen die Ausbreitung vorzugehen. Angeln kann man die Fische nur schlecht, weil sie eben Plankton bzw. Algenfresser sind, da gibt es also keine geeigneten Köder, erklärt Mario Ludwig.

Deshalb werden Silberkarpfen manchmal sogar mit Pfeil und Bogen gejagt. Aber vor allem wird die sogenannte Elektrofischerei eingesetzt. Bei dieser Methode wird elektrischer Strom ins Wasser abgegeben, der die Fische leicht betäubt an die Wasseroberfläche treibt, wo sie eingesammelt werden können.

"Eine Bekämpfungsoption, die diskutiert wird: einen natürlichen Feind der Karpfen in die nördlichen Gewässer des Mississippi zurückzuholen, den Alligatorhecht."
Mario Ludwig, Biologe

Nun wird überlegt, den Alligatorhecht in die Gewässer einzusetzen – er ist ein natürlicher Feind des Silberkarpfens. Er hat eine Größe von mehr als 3 Metern und kommt auf ein Gewicht von bis zu 140 Kilogramm und gilt damit als einer der größten Süßwasserfische der USA.

Der Alligatorhecht kam früher häufig in den nördlichen Mississippi-Gewässern vor. Aber: Er wurde dort als Konkurrent für die Berufsfischerei erbarmungslos gejagt und gilt dort seit einiger Zeit als ausgestorben. Jetzt ist der Plan, den Alligatorhecht in Texas zu züchten, und im nördlichen Mississippi-Gebiet als Fressfeind der Silberkarpfen erneut zu etablieren.

"Seit 2004 hat die Bekämpfung der Karpfen 607 Millionen Dollar gekostet. Bis zum Jahr 2030 werden die Kosten wahrscheinlich auf insgesamt 1,5 Milliarden Dollar steigen."
Mario Ludwig, Biologe

Diese Bekämpfung des Silberkarpfens ist alles andere als günstig. Bisher sind bereits Kosten in Höhe von 607 Millionen Dollar entstanden - bis zum Jahr 2030 könnte die Summe auf 1,5 Milliarden Dollar steigen.

Das ist die optimistische Prognose. Wenn es schlecht läuft, erkämpft sich der Silberkarpfen auch die Gebiete der Großen Seen im Norden. Dann ist die Binnenfischerei, die jährlich sieben Milliarden Dollar umsetzt, erheblich bedroht. Mit elektronischen Unterwassenzäunen soll das verhindert werden.

Bedrohung auch für Menschen

Der Silberkarpfen ist nämlich nicht nur für die ansässige Tierwelt gefährlich. Er springt bei Gefahr bis zu drei Meter aus dem Wasser - und landet dabei nicht selten in Fischerbooten.

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Dabei kommt es immer wieder zu Kollisionen mit den Bootsinsassen. Die erleiden dadurch zum Teil ernsthafte Verletzungen: Gehirnerschütterungen, Nasenbein-, Kiefer- und Rippenbrüchen sind keine Seltenheit. Auf dem Illinois-River, in dem besonders viele Silberkarpfen leben, sind einige Fischer deshalb dazu übergegangen, sich während ihrer Arbeit mit Helmen zu schützen.