Sample, Mix, Inspiration - alles ziemlich verschwommen. Im Fall des Songs "Blurred Lines“ kommt eine klare Ansage vom Gericht: Robin Thicke und Pharrell sollen 7,4 Millionen Dollar dafür zahlen, dass sie Marvin Gayes Hit "Got To Give It Up" kopiert haben. Fair, oder ist die Musikindustrie sowieso längst ein einziger Remix?

Klar, der Song ist ein Ohrwurm. Und er hat eben eine Ähnlichkeit zu einem anderen Ohrwurm aus dem Jahr 1977 von Marvin Gaye. Nachdem die Erben des verstorbenen Soul-Musikers geklagt hatten, entschied nun das Gericht in LA. Basis dafür war eine musikalische Analyse der Songs. Hier einmal nebeneinander gelegt:

Das Gutachten des Musikwissenschaftlers, den die Familie Gaye beauftragt hatte, bestätigt acht Gemeinsamkeiten, beispielsweise in der Bass-Melodie, dem Keyboard- Part oder der Hook. Wie in jedem Plagiatsverfahren ging es damit indirekt auch um die Frage: Was macht einen Song im Kern aus? Eine knifflige Angelegenheit.

Mehr als ein Gefühl

Thickes und Pharrells Seite argumentierte, man sei zwar Fan von Marvin Gayes Musik, habe aber lediglich das Gefühl der 70er transportieren wollen. Die aktuelle Entscheidung, verkündete Pharrells Sprecherin, sei ein schlechtes Signal für die kreative Weiterentwicklung in der Musikindustrie. Dass der "Blurred-Lines"-Fall jedoch nun als Grundsatzurteil herangezogen wird, sieht der deutsche Musikwissenschaftler Volkmar Kramarz nicht. So leicht ließe sich Popmusik nicht festnageln.

"Man lässt sich inspirieren von großen Hits und Performern. Diese Freiheit, in deren Welten zu denken und zu klingen, lässt sich keiner freiwillig nehmen. Und die sollten wir der Popmusik auch zugestehen."
Volkmar Kramarz, Musikwissenschaftler

Und schon ist man mittendrin in der Mash-Up- & Remix-Diskussion. Wo hört der Remix auf, fängt die Kopie an? Was ist noch Hommage und was fauler Diebstahl? DJ und Produzent Mark Ronson gibt dazu eine persönliche Live-Lektion in Sachen Remix.

Auch die Eindeutigkeit des Urteils teilt Volkmar Kramarz nicht. Er sieht eher eine ähnliche Sequenzierung, quasi rhythmische Figuren, die sich ähneln. Und schließlich sind die rechtlichen Schritte noch nicht ausgeschöpft. Nüchtern betrachtet wird aus dem teuren Urteil vielleicht doch etwas weniger einschneidendes, so Kramarz: "Es gibt immer wieder aufsehenerregende Prozesse. Am Ende enden die fast immer mit einem Vergleich, bei dem sich alle Seiten doch zähneknirschend einigen."

Mehr "Blurred Lines" im Netz: