Wer Auto fahren darf, soll nach den neuesten Plänen des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer auch Leichtkrafträder fahren dürfen - ohne eigene Führscheinprüfung. Die Sicherheitsbedenken sind groß, sagt der Mobilitätsexperte Emil Nefzger.

Ein normaler Autoführerschein soll nach Plänen des Bundesverkehrsministeriums künftig zum Fahren leichter Motorräder berechtigen – ohne eine weitere Prüfung. Die Standardfahrerlaubnis würde dann Leichtmotorräder bis 125 Kubikzentimeter Hubraum und nicht stärker als 15 PS umfassen. Das Verhältnis der Leistung zum Gewicht darf, so steht es im Entwurf, 0,1 Kilowatt pro Kilogramm Gewicht des Zweirads nicht übersteigen. Diese Maschinen könnte dann jeder ab 25-Jährige mit Autoführerschein B fahren.

Einzige weitere Bedingung: 7,5 Stunden Schulung hinter sich bringen, heißt es in einem Entwurf, der unserer Redaktion vorliegt.

Fahrsicherheit braucht Übung

Der Journalist Emil Nefzger vermutet, dass die Regelung am ehesten Anbietern von Rollersharing zugute komme. Wer als Autofahrer auf Leichtmotorräder umsteige, dem empfiehlt Emil Nefzger, vorher viel im Übungsmodus zu fahren, eventuell Fahrstunden zu nehmen oder gleich die Prüfung für den A-Führerschein zu machen.

"Auch wenn das genehmigt wird, kann ich jedem nur empfehlen viel zu üben und eventuell einfach noch ein paar Fahrstunden zu machen oder gleich den richtigen A-Führerschein."
Emil Nefzger, Mobilitätsexperte

In Österreich ist eine vergleichbare Regelung seit 1997 in Kraft. Bislang habe man dort aber keine guten Erfahrungen damit gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesanstalt für Straßenwesen.

"Die Änderung in Österreich hat der Bundesanstalt für Straßenwesen zufolge die Verkehrssicherheit erkennbar verschlechtert."
Emil Nefzger, Mobilitätsexperte

Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat rät davon ab, den Entwurf aus dem Ministerium von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) umzusetzen. Die Leichtkrafträder können schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren und sind nach den Motorrädern mit mehr Hubraum die gefährlichsten Fahrzeuge in der Unfallstatistik, schreiben die Experten des Vereins in einer Stellungnahme.

Unklare Motive für Änderung

Es sei fraglich, warum die Anforderungen plötzlich deutlich gesenkt werden sollten – die EU erlaubt das den Mitgliedsstaaten bereits seit 13 Jahren. In einem Tweet des Ministeriums heißt es, mit dem Entwurf solle Mobilität im ländlichen Raum und Verkehrssicherheit gewährleistet werden.

"Nur Motorräder mit mehr Hubraum sind noch gefährlicher als Leichtkrafträder. Deswegen erwarten Experten unisono auch mehr Tote und Verletzte, falls diese Änderung in Kraft tritt."
Emil Nefzger, Mobilitätsexperte