Jeder von uns sorgt für jede Menge Plastikmüll – und nur ein kleiner Teil wird am Ende recycelt. Neue Zahlen dazu stehen im Plastik-Atlas, den die Autoren vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und von der den Grünen nahe stehenden Heinrich-Böll-Stiftung jetzt vorgestellt haben.

Die Macher der Studie sagen: Nur knapp 16 Prozent des Plastikmülls wird in Deutschland wiederverwendet, um neue Verpackungen oder andere Materialien daraus herzustellen. Damit widerspricht die Studie offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2016. Die besagen nämlich, dass 45 Prozent des Kunststoff-Mülls wiederverwertet werden.

Nach Angabe der Studienmacher hängt die Quote davon ab, wann am Recyclinghof gezählt wird. Die 45 Prozent sind der Anteil des Mülls, der dort angeliefert wird. Wirklich recycelt werde dann aber deutlich weniger. Nur 16 Prozent des Mülls werde zum Beispiel als Plastikgranulat wiederverwertet. Der Rest wird aussortiert und landet in Müllverbrennungsanlagen oder wird ins Ausland verschifft.

"Wir sind nicht die Schlimmsten, aber unsere Plastikmüll-Bilanz liegt deutlich über dem EU-Schnitt. Wir sind also ziemlich schlecht."
Raphael Krämer, Deutschlandfunk Nova

Laut Plastik-Atlas landen die Deutschen auf Platz 4 der Länder, die am meisten Plastik pro Kopf verbrauchen – hinter Luxemburg, Irland und Estland. In konkreten Zahlen heißt das: Wir verbrauchen jedes Jahr im Schnitt 38 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf – der EU-Durchschnitt liegt bei "nur" 24 Kilogramm pro Kopf.

Die Verfasser des Plastik-Atlas suchen auch nach Gründen für unseren hohen Kunststoffverbrauch. Eine Vermutung ist, dass es immer noch sehr billig ist, Plastik zu produzieren. Und es ist auch nach wie vor günstiger, neues Plastik zu produzieren, anstatt altes zu recyceln. Das alte Plastik muss sortiert und aufgearbeitet werden. Das ist teuer, und am Ende ist das recycelte Material auch nicht so rein und so gut wie neues Plastik.

Recycling von Kunststoffen ist teuer und aufwendig

Das führt dazu, dass auch Recyclingunternehmen den Müll lieber exportieren, zum Beispiel nach Asien, damit er dann dort sortiert wird – wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, dann gibt es Berichte, wie zum Beispiel aus Malaysia, wo tonnenweise Plastikmüll aus dem Ausland in der Landschaft verstreut ist oder ins Meer gelangt.

Im Plastik-Atlas werden auch Lösungsansätze diskutiert. Die Verfasser sind der Meinung, dass es nur hilft, Plastik zu vermeiden und es seltener für Verpackungen einzusetzen. Dazu gehören laut BUND und Heinrich-Böll-Stiftung auch neue Gesetze. Es reiche nicht aus, an die Verbraucher zu appellieren, weniger Kunststoff zu verbrauchen, sondern auch die Industrie müsse dazu verpflichtet werden. Das Bundesumweltministerium ist mit diesem Vorschlag nicht einverstanden. Staatssekretär Florian Pronold sagte, es sei wirkungsvoller, wenn sich die Branche freiwillig verpflichte.