Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft produziert jeder Mensch in Deutschland pro Jahr 37 Kilo Müll in Form von Plastikverpackungen. Plastik wird kaum recycelt, denn es ist wirtschaftlich günstiger, immer wieder neues Plastik aus Rohöl herzustellen. In der vierten Folge ihres Podcasts "Gefährlich praktisch" beschäftigt sich Kerstin Ruskowski damit, wie aus Erdöl Plastik wird.

Erdöl liegt tief unter der Erde und muss aufwendig gefördert werden. In Raffinerien wird das Rohöl zum Beispiel zu Gasen, Benzin oder zu Ethylen und Propylen - dem Grundstoff für Plastik - weiterverarbeitet. Um an Ethylen und Propylen zu kommen, muss das Erdöl gecrackt werden.

"Im Fall von Kunststoffen zerlegt man das Erdöl in seine Bestandteile und nimmt sich dann anschließend wiederum nur die Bestandteile, die man eigentlich braucht."
Rainer Dahlmann, Professor am Institut für Kunststoffverarbeitung in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen

Das Ethylen und Propylen wird nach dem Cracken veredelt und dann weiter zu Kunststoffpellets verarbeitet. Später werden diese eingeschmolzen und zu Plastik-Verpackungen geformt. Nach dem Benutzen wird aber das wenigste Plastik recycelt, sondern verbrannt oder in andere Länder exportiert.

"Deutschland ist ein relativ ressourcenarmes Land. Wir haben diese ganzen Kunststoffe. Und wir exportieren diesen Rohstoff nach Asien. Das ist in mehrerlei Hinsicht ein unsinniges Verhalten."
Rainer Dahlmann, Professor am Institut für Kunststoffverarbeitung in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen

Dass Kunststoffe so wenig recycelt werden, hängt damit zusammen, dass in vielen Produkten mehrere unterschiedliche miteinander verarbeitet werden. Gutes Recycling funktioniert aber nur, wenn man die Kunststoffe einzeln einsammelt.

Wenn das alte Plastik nicht recycelt, sondern verbrannt wird, entsteht außerdem CO2. Schätzungen aus dem Jahr 2012 gehen davon aus, dass durch die Produktion von Kunststoffen jedes Jahr weltweit 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. Seitdem ist die Produktion von Plastik sogar noch weiter angestiegen.

Zwei Forschende vom IBM Forschungszentrum Almaden in Kalifornien schätzen, dass jedes Jahr 556 Milliarden Liter Erdöl gespart werden könnten, wenn sich ein Weg finden ließe, den kompletten Plastikmüll wiederzuverwerten, anstatt die gleiche Menge neu herzustellen.

Aber wo genau ist Plastik sinnvoll und wo nicht? Darum geht es in der nächsten Folge.