Im Juli 2022 trat das Einwegplastik-Verbot in Kraft. Seitdem dürfen Plastik-Strohhalme, Styropor-Becher oder Einweg-Besteck in der gesamten EU nicht mehr produziert werden. Lager-Bestände durften die Betriebe zunächst noch aufbrauchen, um dann nach und nach auf Alternativen umzustellen. Ziel ist es, den Plastikmüll zu reduzieren. Wie weit wir inzwischen gekommen sind, weiß Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft vom Wuppertal-Institut.

Manche Restaurants, die ihr Essen to go anbieten, geben ihren Kund*innen immer noch eine Styroporbox mit. Das sollte eigentlich nicht mehr sein, erklärt Henning Wilts vom Wuppertal Institut: "Die Regel war: Wer noch Lagerbestände hat, der darf das noch in so einer Verpackung verkaufen. Und offensichtlich hatte der eine oder andere da ziemlich große Lagerbestände."

"Man wollte damals nicht sagen: 'Ihr habt Lagerbestände und die sind jetzt von einem Tag auf den anderen wertlos.' Deswegen dieser Kompromiss."
Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft vom Wuppertal-Institut

Auf die Frage, ob das Einwegplastik-Verbot denn inzwischen wirke, gebe es zwei Antworten. Einerseits beobachtet er eine sehr intensive Debatte über das Thema. "Den Leuten ist bewusst geworden, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann. Die Unternehmen sehen auch, dass ihr Konsument*innen das so nicht mehr mitmachen wollten und haben an ganz verschiedenen Ecken versucht, neue andere Lösungen anzubieten", sagt er.

Verbot hat keinen großen Einfluss auf den Plastikmüll insgesamt

Ob der Plastikmüll insgesamt schon deutlich abgenommen habe, das lasse sich in Bezug auf das EU-Gesetz nicht erkennen, denn insgesamt machen die verbotenen Produkte – wie etwa Plastikstrohhalme, Einwegplastikbesteck oder Styroporbehälter nur einen sehr geringen Teil unseres Abfalls aus.

"Wir reden hier bei den Produkten, die verboten worden sind, über sehr ausgewählte Produkte, die insgesamt deutlich weniger als ein Prozent unseres gesamten Plastikabfalls ausmachen."
Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft vom Wuppertal-Institut

Der größte Teil des Plastikmülls, der etwa im Meer lande, komme aus Asien, beziehungsweise mache er seinen Weg über asiatische Länder, deren Abfallsystem nicht so gut organisiert sei, "wo Sachen immer noch auf Deponien landen und dann über die Flüsse in die Meere gehen", sagt Henning Wilts. Er findet es allerdings wichtig, dass europäische Staaten eine Art Vorbildfunktion einnehmen und zeigen, wie es auch anders gehen kann.

"Es war ein ziemlicher Schock bei vielen Unternehmen, dass die Kommission sagt: 'Wir verbieten bestimmte Produkte, weil sie schlecht sind für die Umwelt.'"
Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft vom Wuppertal-Institut

Inzwischen sind viele Plastik-Alternativen auf dem Markt, allerdings bedeute das nicht, dass diese Produkte allesamt umweltfreundlich seien, so Henning Wilts. Es gebe viele Unternehmen, die sinnvolle und nachhaltige Produkte entwickelten, auf der anderen Seite gebe es inzwischen aber auch Plastik-Ersatz-Produkte, die ökologisch kein Stück besser seien, so der Experte für Kreislaufwirtschaft.

Plastik-Alternativen nicht zwingend umweltfreundlicher

"Wir sehen viele Unternehmen, die da einfach mit aufspringen und Dinge anbieten, die ökologisch kein Stück besser sind", sagt er. Ein Beispiel dafür seien Biokunststoffe: "Biokunststoff kann eine tolle Lösung sein, wenn dafür Reste zum Beispiel aus der Nahrungsmittelproduktion verwendet werden, die man sonst entsorgt hätte." Wenn für einen Biokunststoff aber am Ende Regenwald abgeholzt werde, um einen Einweglöffel herzustellen, dann sei diese Lösung ökologisch nicht nachhaltig.

Henning Wilts ist der Meinung, dass wir uns nicht nur auf die Vermeidung von Plastik konzentrieren, sondern insgesamt weniger Einwegprodukte nutzen sollten. Also lieber den Mehrweg-Pfandbecher statt den Einweg-Pappbecher – insgesamt müssten wir davon wegkommen, Produkte herzustellen, die wir nur einmal wenige Minuten nutzen, um sie dann in den Müll zu werfen.