Wir leben im Zeitalter der Kunststoffe. In jedem Lebensbereich und in jeder Größe sind sie anzutreffen. Vor allem in unseren Weltmeeren. Eine Konferenz in Bremen kämpft um neue Lösungen des Problems. Wir alle sind gefragt.

Das Letzte, was wir auf einer unbewohnten Insel mitten im Süd-Pazifik, 5000 Kilometer vom nächsten Kontinent entfernt, erwarten dürfte, ist Plastikmüll.

Der Mensch müllt alles zu

Und trotzdem fanden Forscher an den Stränden von Henderson Island pro Quadratmeter fast 5000 Plastikteile in einer Tiefe bis zu zehn Zentimetern. Hochgerechnet könnten insgesamt 17 Tonnen Plastikmüll auf der Insel angeschwemmt worden sein.

“Wir kamen auf eine Schätzung von circa 38 Millionen Plastik-Teilen auf der Insel. Das ist echt schockierend, denn das Plastik ist einfach überall.“
Alex Bond, Biologe

Shampoo-Flaschen, Zahnbürsten, Feuerzeuge, Baby-Schnuller und die kleinen Häuschen vom Monopoly-Brettspiel. Von allem war etwas dabei. Nirgendwo sonst wurde jemals so viel Müll gefunden. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass jede Minute ein Müllwagen voll mit Plastik in unseren Ozeanen landet.

Der größte Teil stammt vom Festland, ganz besonders aus dem Haushaltsmüll. Landet der auf ungesicherten Deponien, kann der Müll abgetragen werden und über Flüsse ins Meer gelangen, sagt Mark Lenz Meeres-Ökologe am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Plastik ist so gut wie überall enthalten

Weitere Quellen für Plastikmüll in den Meeren sind:

  • alte Fischernetze, die auf hoher See entsorgt werden
  • Tüten, die Touristen am Strand liegen lassen
  • Kunstrasen, aus dem sich winzige Partikel lösen, die irgendwann im Meer landen
  • Klamotten aus synthetischen Stoffen wie Polyester, die bei jedem Waschgang abgerieben werden
  • Autoreifen die bei jeder Umdrehung winzige Partikel verlieren
  • Kosmetikartikel die wir unter der Dusche in den Abfluss spülen

Bei den Hygiene- und Kosmetikartikeln steckt das Plastik nicht nur in Peelings, sondern in flüssiger oder gelförmiger Form in so ziemlich jedem Produkt. Also auch in Shampoo, Haarspray oder Hautcreme.

“Es ist sinnvoll, dieses Plastik aus den Kosmetika rauszunehmen, weil man es sehr leicht ersetzen kann durch abbaubare Produkte, aber dann ist das Plastik-Problem nicht gelöst.“
Mark Lenz, Meeresökologe

Neben den sichtbaren Plastikteilen wie auf Henderson Island ist es vor allem das Plastik im Mikro- und Nanobereich, dass durch Reibung, UV-Strahlung oder chemische Reaktionen entsteht, und so den Weg in die Nahrungskette findet. 

Prävention ist das A und O

Aber egal ob das Plastik sichtbar oder unsichtbar ist. Ob es auf Inseln, der Wasseroberfläche oder in der Tiefsee treibt. Es ist utopisch, diesen Müll wieder aus dem Meer herausfischen zu können.

Deswegen liegt die Lösung für das Problem in erster Linie gar nicht im Meer, sondern an Land. Generell müssen wir den Verbrauch von Plastik reduzieren und dessen Recycling noch verbessern.