Die Corona-Infektionszahlen steigen und die Labore sind mit der Auswertung von PCR-Tests überlastet. POC-PCR-Tests könnten da helfen. Diese PCR-Tests werden vor Ort gemacht, es braucht also kein Labor. Klingt super, aber in der Masse bringt es kaum was. Zumindest nicht aktuell.

Die klassischen PCR-Coronatests, wie ihr sie kennt, sind sehr genau, aber auch komplex. Für das Verfahren muss die Probe ins Labor. "Dort wird die Hülle des Virus aufgelöst, sein Erbgut wird gereinigt und in DNA umgewandelt", sagt unser Reporter Piotr Heller. "Dann wird es vervielfältigt und nachgewiesen."

Das aufwendige Verfahren erklärt die aktuellen Engpässe der Labore bei PCR-Tests. "Es gibt einfach nicht genug Menschen in den Laboren, um das alles zu machen", sagt Piotr. Deshalb wurde beim Bund-Länder-Treffen am 25. Januar eine Priorisierung bei PCR-Tests beschlossen. Wir haben hier darüber berichtet. Die Tests sollen vor allem besonders gefährdeten Menschen zur Verfügung stehen sowie Personal in Krankenhäusern oder in der Pflege.

Um wieder mehr PCR-Tests anzubieten, könnten POC-PCR-Tests eine Lösung sein. POC steht für "Point of Care", sprich vor Ort und nicht im Labor. Dabei erledigen kleine Maschinen PCR-Tests vollautomatisch und zwar innerhalb von 15 Minuten.

POC-PCR-Tests werden teils schon in Krankenhäusern genutzt

Die Möglichkeit für POC-PCR-Tests ist nicht neu. Die Ursprungsidee war, dass durch Testkapazitäten vor Ort zum Beispiel auch in einer Klinik schnell abgeklärt werden kann, was einer Patientin oder einem Patienten fehlt. Vor allem bei Erkrankungen wie einer Hirnhautentzündung, wo jede Minute zählt.

"Man hat Kartuschen entwickelt, in denen die ganzen nötigen Chemikalien schon gefriergetrocknet drin sind."
Piotr Heller, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Als Lösung für schnelle und zugleich komplexe PCR-Analysen, wurden Kartuschen entwickelt, die die nötigen Chemikalien bereits enthalten und zwar gefriergetrocknet, so Piotr. In diese Kartusche kommt die Probe der Patientin oder des Patienten und die Maschine startet mit der Analyse. "Damit kann man alle möglichen Erreger erkennen", sagt Piotr Heller. "Auch Sars-CoV-2."

POC-PCR-Tests werden bereits in Kliniken, aber auch in manchen Testzentren eingesetzt, vor allem an Flughäfen. Da kann ein Test schon einmal über 200 Euro kosten. Aber es gibt auch Teststellen, wo es deutlich günstiger ist. Für um die 70 Euro, zum Beispiel bei Teststellen der Johanniter. Auch Apotheken dürfen die Tests anbieten. Bislang machen sie das aber kaum, weil es sich nicht lohnt. Alleine die Kartuschen kosten um die 35 Euro pro Stück. Die Apotheken erhalten pro Test aber bislang nur 30 Euro. Die Bundesregierung will den Apotheken nun mehr Geld zahlen.

Die Kapazitäten reichen nicht aus

Aber der Preis ist nur eine Hürde, um mehr POC-PCR-Tests einzusetzen. "Es gibt zu wenig Kartuschen", sagt Piotr. In Deutschland können pro Jahr zurzeit rund sieben Millionen Kartuschen produziert werden. Das ist eine vorsichtige Schätzung, so Piotr. "Die klassischen Labore machen derzeit alle zusammen zwei Millionen Tests pro Woche", sagt Piotr.

Das bedeutet, dass zumindest im Moment die POC-PCR-Tests keine große Entlastung bringen. Langfristig will die Bundesregierung aber neue Produktionsanlagen für diese Kartuschen fördern.