Um den Eisbrecher "Polarstern" ist es gerade ganz dunkel - Klimadaten werden dort trotzdem gemessen. Expeditionsleiter Markus Rex erklärt die Arbeit seines Teams und was an der toten Eiswüste so anziehend ist.

Der Forschungseisbrecher "Polarstern" driftet seit Oktober 2019 mit dem arktischen Meereis - wegen der Polarnacht derzeit umgeben von ständiger Dunkelheit. Während der einjährigen Expedition werden etwa 300 Wissenschaftler aus 16 Ländern an Bord sein. Ziel ist es, das Klimasystems der Zentralarktis mit einem enormen Messprogramm zu erkunden.

"Die Klimaprozesse der Zentralarktis sind noch nie ganzjährig beobachtet worden."
Markus Rex, Expeditionsleiter, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Nirgends werde es so dramatisch wärmer wie in der Zentralarktis, sagt Expeditionsleiter Markus Rex, gleichzeitig sei die Erwärmung dort noch am schlechtesten wissenschaftlich erfasst und analysiert. Erstmals werden nun mit einem modernen Forschungseisbrecher dauerhaft Messungen vor Ort vorgenommen.

Markus Rex vergleicht die wissenschaftliche Arbeit vor Ort mit dem Öffnen eines Uhrwerks. Dank des Datensatzes, der am Ende der Expedition stehen wird, könne ein neues und detaillierteres Bild von dem lokalen Klimasystem und seinen Veränderungen gezeichnet werden.

"Der Datensatz, der dabei herauskommt, wird es uns erlauben eine viel realistischere Darstellung des arktischen Klimasystems in einem Klimamodell vorzunehmen."
Markus Rex, Expeditionsleiter, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Bis Mitte Dezember 2019 hat das Team rund 20 Terabyte Daten gesammelt - auf dem Schiff und auf Forschungsstationen in der Umgebung auf dem Eis. 720 Kilometer hat die Polarstern bei ihrer Drift mit dem Eis bisher zurückgelegt.

Arbeiten mit Kunstlicht: die Expeditionsleiter Markus Rex und Christian Haas
Arbeiten mit Kunstlicht: Die Wissenschaftler Markus Rex und Christian Haas auf der Polarstern

Die Umgebung der Forschenden sei von Mikroben, dem Leben im Wasser und erstaunlich vielen Eisbären abgesehen, ziemlich tot. Kein Flugzeug, kein Vogel ist dort zu sehen, berichtet Markus Rex. Für ihn und das Team sei das nicht bedrückend, sondern wirke eher faszinierend und stimulierend. Er selbst wartet auf den Moment, die Forschungsstation überhaupt einmal richtig zu sehen. Im Moment, bei Dunkelheit, gleiche der Weg über das Eis einem Spaziergang über einen anderen Planeten.

"Ich freue mich darauf, das Ganze bei Tageslicht zu sehen."
Markus Rex, Expeditionsleiter, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Im Schein von Strahlern und Displays: Forschende auf dem Eis
Im Schein von Strahlern und Displays: Forschende auf dem Eis