Politiker greifen gerne auf Feindbilder zurück. Das hilft ihnen dabei, ihre eigenen Entscheidungen zu rechtfertigen.

Andererseits kann es sie aber auch bei der Arbeit behindern: wenn sie zum Beispiel die eigentlich bessere diplomatische Lösung nicht wählen können, weil sie ihren Verhandlungspartner vorher niedergemacht haben und sich durch eine plötzliche Kooperation selber widersprechen würden.

Der Schurkenstaat

Ein gutes Beispiel ist der Begriff "Schurkenstaat", der in den frühen 90er Jahren unter US-Präsident Bill Clinton aufkam und von den USA vor allem gegen den Iran genutzt wurde. Es ging um Massenvernichtungswaffen, Terrorismus und um die angebliche Gefährdung des internationalen Friedens. 2002 wurde daraus die "Achse des Bösen". Damit gemeint waren der Iran, Nordkorea und der Irak. Der US-amerikanische Präsident Barrack Obama verzichtet auf eindeutige Feindbild-Begriffe wie die "problem states". Das erlaubt ihm zum Beispiel wieder mit Kuba zu verhandeln.

Feindbilder verhindern den Dialog

Carmen Wunderlich ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt am Main. Sie findet Feindbilder in der Politik nicht sehr hilfreich. Sie verhindern Dialogbereitschaft und Kompromisse. Derjenige, der das Feindbild in die Welt gesetzt hat, ist dazu gezwungen, das Feindbild aufrechtzuerhalten. Derjenige, der zum Feindbild wird, reagiert mit Ablehnung und Trotz.