Der Kniefall Willy Brandts 1970 in Warschau ist die berühmteste Entschuldigung in der Politik. In den vergangenen Jahren haben sich noch einige andere Politiker und Nationen entschuldigt. Doch nicht jeder ist dazu in der Lage.

Die Tradition politischer Entschuldigungen ist noch nicht so alt. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gab es zum ersten Mal Forderungen danach, dass Staaten ihre Schuld anerkennen. Der spontane Kniefall des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos steht sinnbildlich für die politische Entschuldigung weltweit. Mit dieser Demutsgeste bat er um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.

"Wenn ein Staat sich entschuldigt, dann will er sich meist ein besseres Image geben und zeigen, dass er sich von dem Unrecht, was er in seiner Geschichte begangen hat, distanziert."
Kristin Häfemeier, DRadio Wissen

Seit den 1990er Jahren sind die politischen Entschuldigungen mehr geworden.

  • Bill Clinton entschuldigte sich für den Sklavenhandel.
  • Die Queen bat für die Unterdrückung der Maori in Neuseeland um Entschuldigung.
  • Die Schweiz entschuldigte sich für die Einlagerung von Nazi-Gold.
  • Papst Johannes Paul II. hat sich für die "Schandtaten der Inquisition" im Jahr 2000 entschuldigt.
  • Im vergangenen Jahr bat Papst Franziskus für die Mordbefehle an Ketzern um Entschuldigung.

Schuldeingeständnisse und Konsequenzen

Zu einer Entschuldigung kommt es laut Friedensforscher Stefan Engert der Universität Potsdam, weil der Täter sich gerne als geläutert darstellen möchte, das Opfer den Wunsch nach einer Entschuldigung äußert oder weil die Gesellschaft das fordert. Im Falle der Türkei, in dem die Weltgesellschaft fordert, dass die Türkei den Völkermord an den Armeniern anerkennt und sich dafür entschuldigt, funktioniert es leider nicht: Der türkische Präsident Erdogan weigert sich, sich bei den Armenier zu entschuldigen.

Ein Land, das sich entschuldigt, also ein Schuldeingeständnis öffentlich bekannt gibt, muss dann auch mit Entschädigungsforderungen rechnen. So wie beispielsweise Griechenland heute noch von Deutschland für die begangenen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs Entschädigungszahlungen fordert.

Reparationsforderungen könnte auch ein Grund sein, warum US-Präsident Barack Obama sich während seines Besuchs in Japan anlässlich des G7-Gipfels nicht für den Abwurf der Atombombe über Hiroshima und Nagasaki entschuldigen wird. Obama ist der erste amtierende US-Präsident, der Hiroshima besucht. Abgesehen davon sehen die USA auch kein Vergehen darin, weil die Entscheidung des Atombombenabwurfs für die damaligen Verhältnisse richtig gewesen sei.

"Das war schon immer die Begründung der USA - auch unter Präsident Truman: Es ist uns nichts anderes übrig geblieben, weil wir das schnelle Ende dieses Krieges zum Ziel hatten."
Stefan Engert, Friedensforscher Universität Potsdam

Eine Entschuldigung ist für die Opfer und ihre Angehörigen eine wichtige Geste, weil sie sich durch das Vergehen verletzt fühlen. Durch eine Entschuldigung wird eine Aus- und Versöhnung erst möglich. Eine richtige Entschuldigung besteht aus dem Schuldanerkenntnis, der Reue, der Wiedergutmachung und dem Versprechen, das Unrecht nie wieder zu begehen.