Politische Positionen zu Sachfragen direkt zum Anhören und Kommentieren? Die gemeinnützige Plattform Plurapolit bietet genau das. Unser Reporter hat sich die Seite angesehen.

Plurapolit ist eine Online-Plattform, die das Informationsangebot für junge Wählerinnen und Wähler verbessern will. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt hat sich die gemeinnützige Plattform angesehen und mit einem der Betreiber gesprochen.

Anders als ein Wahl-O-mat, der eher auf kurzfristige Information vor Landtags- oder Bundestagswahlen angelegt ist, möchte Plurapolit auch abseits von Wahlterminen einen Überblick über die politischen Ziele verschiedener Parteien bieten – und ermöglicht eine Kommentierung durch Nutzerinnen und Nutzer.

Statements zum Anhören

Plurapolit sammelt kurze Audio-Statements vor allem von Politikerinnen und Politikern. Und zwar zu Themen, die viele gerade beschäftigen oder die viel diskutiert werden. Die Plattform richtet sich dabei vor allem an Leute zwischen 16 und 28 Jahren. Lucas Lamby ist 24 Jahre alt. Mit anderen hat er Plurapolit gegründet.

"Das Gefühl war: Die Vermittlung zwischen Politik und Jugendlichen passt nicht so ganz. Es gibt relativ viele Formate, die eigentlich nicht jugendgerecht sind. Wir haben überlegt, was wir selber machen können."
Lucas Lamby, über die Motivation Plurapolit zu gründen

Anfang Februar 2020 ist das Portal dann online gegangen. Lucas Lamby betreibt es zusammen mit zwei Kollegen in Vollzeit. Sie sind alle gerade mit mit ihrem Bachelorstudium fertig. Die Plattform wird aktuell auch im Unterricht in Schulen in Hamburg eingesetzt. Im ersten Monat hatte sie nach eigenen Angaben knapp 10.000 Nutzer auf der Seite.

Themen in Frageform

Verschiedene politische Themen werden immer anhand einer konkreten Frage dargestellt. Wenn es um Klimapolitik geht, steht dort beispielsweise die Frage: Sollten Kurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands verboten werden? Oder: Sollte ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt werden? Geht es um Migrationspolitik: Sollte Deutschland sich für die Aufnahme von Menschen einsetzen, die in der türkisch-griechischen Grenzregion festsitzen? Auch Fragen, die aus dem rechtspopulistischen Spektrum kommen, finden sich dort.

Insgesamt ist die Seite ziemlich schlicht gehalten. Es gibt dort im Wesentlichen nur die Fragen mit Bildern und Statements von den Befragten. Überwiegend sind es Politikerinnen und Politiker, die antworten. Zu Wort kommen Personen aus allen Parteien, die im Bundestag vertreten sind.

Profis, Prominente und Expertinnen

Häufig antworten die jeweiligen Sprecherinnen und Sprecher der Parteien zu einem bestimmten Thema, also beispielsweise diejenigen, die für Innenpolitik, oder für Umweltpolitik zuständig sind. Oft sind auch die Vorsitzenden der jungen Ableger der Parteien dabei – Kevin Kühnert von den Jusos beispielsweise. Teilweise machen auch die Vorsitzenden oder stellvertretenden Vorsitzenden der Parteien mit: Katja Kipping von Die Linke oder Beatrix von Storch von der AfD beispielsweise.

Auch Expertinnen und Experten oder Vertreter von Gewerkschaften oder Verbänden kommen zu Wort. Die Macher versuchen, ein möglichst breites Spektrum an Meinungen abzubilden, sagen sie.

Johannes findet das Angebot insgesamt interessant. Manche Statements wirken auf ihn allerdings zu mechanisch, zu wenig authentisch. Das Statement einer Sprecherin der Luftverkehrswirtschaft beispielsweise zum Thema Kurzstreckenflüge.

"Das größere Problem ist, dass viele Audiobotschaften ziemlich abgelesen klingen, beispielsweise die von einer Pressesprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Lucas Lamby kann die Kritik nachvollziehen, das Team arbeite daran, sagt er.

"Anfänglich waren wir froh, dass die Bereitschaft mitzumachen da war. Jetzt müssen wir gucken, dass wir die Protagonistinnen auch dahin bringen, aktueller und teilweise auch freier zu werden."
Lucas Lamby, hat Plurapolit mit gegründet