Schon mal einem Geheimdienstmitarbeiter ins Gewissen geredet oder einem Flüchtenden über die Grenze geholfen? Der politische Aktivist Jean Peters und das Peng! Kollektiv rufen dazu auf und machen es möglich.

Geheimdienstler, die ihres Jobs müde sind, die gibt es sicherlich, aber einfach kündigen, können sie wohl eher nicht. Deswegen hat Jean Peters, der immer wieder mal den Namen ändert, mit Verbündeten und Mitstreiterinnen "Intelexit" gegründet, eine Aussteigersorganisation für Spione. Mit einer Drohne wurden Flyer dafür über einem NSA-Gelände (National Security Agency) abgeworfen und vor einem Gebäude des Bundesnachrichtendienstes verteilt.

Obendrauf gab es ein Werbevideo und eine Pressekonferenz. Eine spaßig gemeinte Aktion, die dann aber ernst wurde, als das Team von einem Geheimdienstmitarbeiter kontaktiert wurde, der tatsächlich Daten weitergeben und aussteigen wollte. Dazu kam mit "Call-A-Spy" eine weitere Aktion. Eine Art Gameshow, bei der Kandidaten mit Geheimdienstmitarbeitern telefonieren und dabei vor Publikum bestimmte Aufgaben lösen mussten.

"Bei einer Aktion habe ich immer gesagt, wir treten das Recht mit den Füßen, damit es in die Gänge kommt."
Jean Peters, Aktivist, Politikwissenschaftler und investigativer Journalist

Sich bei einer digitalen Konferenz als Google-Mitarbeiter auszugeben, um über die neuesten Überwachungstools zu sprechen, die der Konzern entwickelt hat oder bei einem Science-Slam den Mineralöl-Konzern Shell vorzuführen oder in Zeiten der Pandemie einfach telefonisch einen Klingelstreich beim Kapitalismus durchzuführen – viele solcher Aktionen bereitet das Peng! Kollektiv akribisch vor, um global agierende Konzerne an der Nase herumzuführen, Machtstrukturen aufzuzeigen und auf soziale und ökologische Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen.

Da, wo sich Macht konzentriert, geht Jean Peters hin und provoziert. Zwar immer mit einer gewissen Wut im Bauch, aber nie bierernst, sondern immer spielerisch und mit einem Augenzwinkern. Das hat eine gewisse Stringenz, wenn man bedenkt, dass Jean Peters sein politikwissenschaftliches Studium damit finanziert hat als Clown auf Kindergeburtstagen aufzutreten.

Peng! Kollektiv: Aufruf zum "Tortalen Krieg"

Eine Torte von Jean Peters gab es für Beatrix von Storch von der AfD, und zwar ins Gesicht, und auch hier wieder im Clownskostüm. Der medienwirksame Tortenwurf wurde von der Erklärung zum "Tortalen Krieg" begleitet. Jean Peters begründet diese Aktion damit, dass er die AfD für eine undemokratische Partei halte, die den demokratischen Prozess in Landtagen sabotiere. Und mit Faschisten wolle er nicht reden.

Demonstranten mit Torten bei einer Demo gegen die AfD in Berlin
© imago images | Christian Mang
Jean Peters wünscht sich viele Nachahmer für seinen medienwirksamen Tortenwurfs gegen AfD-Mitglied Beatrix von Storch. Und die gibt es bereits bei Demos gegen die AfD.
"Wir leben in einem System, das darauf ausgelegt ist, dass die Waffenindustrie immer wieder exportieren wird, auch, wenn alle dagegen sind. Und da haben wir ein Demokratie-Defizit."
Jean Peters, politischer Aktivist und investigativer Journalist

Bei seinen Kunstaktionen und Performances steht zum einen die Frage im Vordergrund, welche Methoden legitim sind, aber auch, wie weit er und seine Mitstreiter gehen können, sodass es noch legal ist. Jede Form der Gewalt lehnt Jean Peters ab. Mithilfe von Anwälten loten er und das Peng! Kollektiv vorab die Grenzen des rechtlich machbaren aus.

Die Tortenwurf-Aktion wurde auch vor Gericht verhandelt, aber eine Körperverletzung konnte dem Aktivisten nicht nachgewiesen werden, denn die Tat wurde vom Richter als tätliche Beleidigung gewertet. Hausdurchsuchungen sind nach politischen Aktionen nichts Neues für Jean Peters. Im Nachgang zu dieser Aktion sah er sich dann allerdings auch mit Morddrohungen "von strammen Neonazis" konfrontiert, wie er sagt.

"Ein Kollege hat gesagt: Das Gute am Tortenwurf ist, Medien können nicht widerstehen, wenn eine Torte geworfen wurde. Alle berichten darüber."
Jean Peters, Aktivist, Politikwissenschaftler und investigativer Journalist

Eine perfekte Welt wäre für Jean Peters eine Welt ohne Kapitalismus, soziale und ökologische Ungerechtigkeiten, ohne die Vorteile, die sich durch eine zufallsbedingte privilegierte Geburt ergeben und ohne nationalstaatliche Grenzen, die Menschen die Teilhabe verwehren.

"Ein Ende der Welt ist leichter zu denken, als ein Ende des Kapitalismus, heißt es ja"

Frustrierend ist es für ihn zu sehen, wie wenig sich die Politik für eine gerechtere Verteilung, beispielsweise durch die Einführung eines Lieferkettengesetzes, einsetzt. Trotzdem bleibt Jean Peters optimistisch und plädiert für einen fröhlichen und spielerischen Ansatz, wenn wir uns mit den Herausforderungen in unserer Welt auseinandersetzen.

In seinem neu erschienenen Buch "Wenn die Hoffnung stirbt, geht's trotzdem weiter: Geschichten aus dem subversiven Widerstand" gibt Einblicke in seine Arbeit als politischem Aktivisten und seine – wie er es nennt – investigativen Interventionen.

"Ich bin gegen jegliche Form von Gewalt gegen Menschen, aber ich bin auch gegen jegliche Form von kultureller und struktureller Gewalt."
Jean Peters, Aktivist, Politikwissenschaftler und investigativer Journalist