In Nigeria sind bei Protesten gegen Polizeigewalt mehrere Menschen getötet worden. Es gibt immer wieder Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte im Land, Menschen zu erschießen.

Seit zwei Wochen protestieren Nigerianerinnen und Nigerianer gegen Polizeigewalt, es kommt zu Ausschreitungen. Allein in der Metropole Lagos sollen etwa 20 Personen erschossen und mindestens 50 verletzt worden sein. Das berichtet die britische BBC und beruft sich dabei auf Augenzeugenberichte. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilte mit, es sei zu massiver Gewalt und Toten gekommen: Sicherheitskräfte sollen auf Demonstrierende geschossen haben.

Vorwurf: Polizeieinheit SARS tötet Menschen

Das sind offenbar keine Einzelfälle: Es gibt immer wieder Vorwürfe gegen Sicherheitskräfte in Nigeria, dass sie Menschen erschießen. Etwa während des Corona-Lockdowns sollen auch Menschen getötet worden sein, die sich nicht an die Einschränkungen gehalten haben. Vor allem, aber nicht nur, die Polizeieinheit SARS steht im Mittelpunkt der Vorwürfe.

SARS steht für Special Anti-Robbery Squad. "Sie wird von vielen in Nigeria gefürchtet", erklärt Dunja Sadaqi, Korrespondentin für Nordwest-Afrika. Sie sei korrupt, brutal, vergewaltige und töte Menschen.

Auch Erpressung gehöre zu den Tätigkeiten der SARS: "Wenn es Leute mit einem Laptop oder einem schönen Auto in den Straßen gab, haben sie die laut den Vorwürfen festgenommen, bis die Menschen richtig viel Geld gezahlt haben."

"Die SARS wird von vielen in Nigeria gefürchtet, sie ist wirklich berüchtigt."
Dunja Sadaqi, Korrespondentin für Nordwest-Afrika

Nun gibt es einen Videobeweis gegen SARS: Beamte der Spezialeinheit wurden dabei gefilmt, wie sie einen jungen Mann getötet haben. Das hat die aktuellen Proteste ausgelöst, erklärt Dunja Sadaqi: "Aber das, was da passiert, ist für viele Nigerianerinnen und Nigerianer nicht neu, die SARS ist wirklich berüchtigt."

Was genau in Nigeria gerade geschieht, ist unklar. Sicher ist wohl: Es gab Proteste, es gab eine Ausgangssperre, Verstöße dagegen und Zusammenstöße zwischen Demonstrierenden und Polizei. "Da sollen Sicherheitskräfte Schüsse auf die Menge der Demonstrierenden abgefeuert haben", sagt Dunja Sadaqi. "Da soll es nicht nur zu Verletzten, sondern zu vielen Toten gekommen sein." Die Bilder und Videos, die noch nicht verifiziert sind und die wir hier an dieser Stelle nicht zeigen, seien sehr verstörend.

Demonstrierende fordern Polizeireform

Die Regierung geht ein Stück auf die Demonstrierenden zu und hat die Befugnisse von SARS etwas beschnitten. "Für die Demonstrierenden sind das nur Lippenbekenntnisse, sie fordern eine umfassende Polizeireform", erklärt die Korrespondentin. Es geht ihnen um ein Ende der Gewalt, um bessere Bedingungen für die Polizei, um Korruption zu verhindern, und um Sanktionen gegen korrupte Polizistinnen und Polizisten.

"Ich gehe stark davon aus, dass weiter protestiert wird, weil es noch keine zufriedenstellende Lösung für die Protestierenden gibt."
Dunja Sadaqi, Korrespondentin für Nordwest-Afrika

Auch nach den Verletzten und Toten dürften die Proteste weitergehen, vermutet Dunja Sadaqi: "Ich gehe stark davon aus, dass weiter protestiert wird, weil es noch keine zufriedenstellende Lösung für die Protestierenden gibt." Die Demonstrierenden mobilisieren sich weiterhin über soziale Medien - und inzwischen gibt es international Unterstützung aus der Politik und von Prominenten: "Die Demonstranten sind nicht alleine."