Warum entsteht ausgerechnet in bestimmten Städten außergewöhnliche Musik? Philipp Krohn hat von Wien bis Austin 24 Städte bereist, um herauszufinden, wie sie die Musik beeinflussen. Was heute durch die Decke geht, kommt nicht mehr unbedingt aus den großen Musikmetropolen.

New Orleans, San Francisco, Chicago, Hamburg: Philipp Krohn und sein Kumpel Ole Löding sortieren ihre Platten nach Herkunftsorten. Dabei wurde klar. Was da im Regal steht, kommt ziemlich genau immer wieder aus den gleichen Städten. Die beiden beschlossen das genauer zu erforschen und reisten durch 24 Städte, von Wien bis Austin, um mit Musikern und Zeitzeugen zu sprechen. Jetzt ist ihr Buch "Sound of the Cities" erschienen.

"Erst habe ich Platten alphabetisch sortiert, danach chronologisch und irgendwann habe ich festgestellt, dass ich immer wieder Musik aus denselben Städten höre."
Buchautor Philipp Krohn

In Wien erklärte ihnen Marco Michael Wanda, dass seine Band, mit Schubert und Mozart, ein unfassbares Erbe hat. Die sind eben erst nach ihrem Tod zu Stars geworden. Vorher haben sie einfach ihr Ding gemacht. Und das konnten sie in Wien. Künstler in dieser Stadt spüren: "Wir können eigentlich nichts falsch machen". Das macht es möglich, frei und ohne Druck Musik zu machen. Und ein Publikum zu finden. Dabei hilft natürlich die sehr alternative Kultur der Stadt, erklärt Philipp Krohn.

"Keep Austin weird!"

"Wir wussten von Austins selbstauferlegten Motto als Livehauptstadt der Welt." Aber dass es so rockte, hätte Philipp Krohn nicht gedacht. In Texas traf er Jason Reece. Der Drummer und Gitarrist von ...And You Will Know Us by the Trail of Dead hat ihm erst beim Rotwein von Austin erzählt und ihn dann einfach in sein Viertel East-Austin mitgenommen. "Sowas verrücktes kann es nicht geben", schwärmt Philipp Krohn und berichtet von verrückten Konzerten und vollen Tanzflächen unter der Woche und sonntagsabends. Es ist eine ganz starke Clubkultur, die die Künstler anzieht und ihnen Raum gibt. Neben viel Zeitgenössischem hatte Austin in den 80ern eine wichtige Indie- und Punk-Szene.

Gemeinschaftserlebnis Popmusik

Auf seiner Recherchereise waren Stockholm, London und New York nach wie vor die interessantesten Städte. Aufgefallen ist ihm, dass besonders die Aufwertung vieler Städte oder Stadtteile den Musikern den Raum nimmt. Künstlerviertel verschwinden und Anstöße, die die Musiker am Anfang ihrer Karriere brauchen, gibt es nicht. Außerdem befürchtet Philipp Krohn, durch die Vereinzelung durch digitalen Musikkonsum könnte das Gemeinschaftserlebnis Popmusik verloren gehen. Besonders wenn immer weniger Leute in rammelige schmutzige Clubs gehen um sich Bands anzuhören.

Im Interview erzählt Philipp Krohn von den anderen Musikstädten auf seiner Reise. Für jede Stadt hat er mit seinem Co-Autor auf Deezer ein Mixtape von 20 Songs erstellt.

Happy Birthday "Sound of the Cities"!Heute erscheint unsere popmusikalische Entdeckungsreise und ist ab sofort überall...

Posted by Sound of the Cities on Mittwoch, 23. September 2015