Vom Sommerfestival mit tausenden Gleichgesinnten zurück in den Alltag – zurück ins Büro? Das fällt manchen schwer. Es gibt aber ein paar Tricks, wie wir den Post-Festival-Blues überwinden können.

Mit dem Start des Sommers beginnt auch die Festival-Saison. Wer das Festival-Leben so richtig feiert, kann vom Alltag eine Weile abschalten. Allerdings fällt vielen die Rückkehr in Beruf, Studium, Schule oder Ausbildung nach ein paar Tagen mit Dosenbier, Iglu-Zelt und Ravioli schwer. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag sagt: "Festivals sind was Besonderes. Sie sind bunt, wild und dreckig. Eben absolute Ausnahmesituationen."

"Festivals sind laut, bunt, dreckig, wild. Und wenn’s vorbei ist – und man wieder zu Hause in der Wohnung sitzt, da kann einem der Alltag noch ein bisschen grauer vorkommen, als er eigentlich ist."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Neuronales Feuerwerk im Kopf

Dass ein Festival Auswirkungen auf die Psyche haben könnte, liegt laut der Psychologin Bettina Löhr daran, dass wir auf einem Festival über kurze Zeit eine ganz starke Verbundenheit zu Menschen aufbauen, die wir nicht richtig kennen. Die Verbindung sei in dieser Zeit ganz besonders stark. "Bindung ist beim Thema Resilienz ein ganz wichtiger Faktor. Verbundenheit und ein soziales Netzwerk werden dann ganz lebendig. Das tut uns richtig gut. Außerdem haben wir während des Festivals gemeinsam Spaß", sagt Bettina Löhr. In dieser Zeit schütte der Körper eines Festivalbesuchers viele Glückshormone aus. Und das sei ein neuronales Feuerwerk im Kopf.

Glücks- und Wohlfühlhormone wie Serotonin pushen das Gefühl von Vertrauen und Verbindung in unserem Körper. Und Dopamin als Botenstoff der Nervenzellen bringt unsere Motivation sowie unseren inneren Antrieb nach vorn. Sebastian Sonntag erklärt: "Deswegen wird Dopamin auch Erfolgshormon genannt. Es erzeugt das Gefühl, das wir haben, wenn wir etwas geschafft haben, zu dem wir uns überwinden mussten."

Handy-Parallelwelt meiden

Eben diese Abwesenheit von Dopamin nach dem Ende eines Festivals sei ein Problem, erläutert Psychologin Bettina Löhr. "Während des Festivals schütten wir ganz viel Dopamin aus und danach fallen wir in ein tiefes Loch. Das ist so eine Art Kater. Dann müssen wir den Dopamin-Pegel wieder auffüllen, damit wir wieder eine Homöostase – also ein Gleichgewicht erreichen", sagt sie.

"Hinzukommen kann eine Art sozialer Kater – eben, dass wir nicht mehr unter netten Leuten oder Freunden sind. Stattdessen müssen wir uns wieder in die Arbeit einfinden."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Zurück im Alltag könnten wir möglicherweise erst mal ein paar Tage wieder allein auf uns gestellt sein. Ein mögliches Gegenmittel, um wieder in gewohnte Abläufe zu kommen, ist, dass "wir eine erst mal eine Serie bingen", sagt die Psychologin. Das sei zwar nicht ideal, aber gar nicht ratsam sei es, sich in eine Handy-Parallelwelt zu verkriechen, so Psychologin Bettina Löhr.

"Bitte nach dem Festivalrausch nicht in digitalen Welten verschwinden, weil wir bei digitalen Medien viel zu viel Dopamin ausschütten."
Bettina Löhr, Psychologin

Durch einen zu hohen Dopamin-Spiegel fällt es uns schwer abzuschalten. Dopamin ist eine Art Neugierigkeitshormon. "Dann wollen wir hier und da noch mal gucken. Darum fällt es uns unheimlich schwer, abzuschalten. So erleben viele Leute wieder so eine Art Kater und flüchten sich in Online-Glücksspiele oder ins Online-Shopping", sagt Bettina Löhr. Auf diese Weise könne es schwer werden, seine Mitte wiederzufinden. Um den Dopamin-Spiegel wieder auf ein normales Niveau zu bringen, gibt es verschiedene Strategien.

Die Psychologin rät zum Beispiel, das Festival noch eine kurze Zeit nachklingen zu lassen. Bettina Löhr: "Zum Beispiel, indem wir Fotos anschauen oder mit Leuten über die Erlebnisse auf dem Festival sprechen. Dieses leichte Aufflackern der Erlebnisse hilft vielen dabei, wieder herunterzukommen. Außerdem können wir andere Hobbys wieder ausprobieren, um in eine gute Dopamin-Ausschüttung zurückkommen."

  • Moderation: Diane Hielscher
  • Gesprächspartner: Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter